Arthritis

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Arthritis: Wenn die Gelenke entzündet sind

Stellen Sie sich vor, Sie wachen morgens auf und Ihre Finger sind so steif und geschwollen, dass Sie kaum eine Kaffeetasse greifen können. Oder Ihr Knie ist über Nacht warm, gerötet und schmerzhaft angeschwollen, obwohl Sie sich nicht verletzt haben. Solche Erlebnisse kennen Millionen von Menschen in Deutschland – und in vielen Fällen steckt eine Arthritis dahinter. Schätzungen zufolge sind allein in Deutschland über fünf Millionen Menschen von entzündlichen Gelenkerkrankungen betroffen, wobei die tatsächliche Dunkelziffer noch höher liegen dürfte.

Der Begriff „Arthritis" klingt zunächst schlicht, verbirgt jedoch ein breites Spektrum an Erkrankungen, die sich in ihrer Ursache, ihrem Verlauf und ihren Behandlungsmöglichkeiten erheblich unterscheiden. Was alle Formen gemeinsam haben: Im Mittelpunkt steht eine Entzündung des Gelenks, die – wenn sie unbehandelt bleibt – langfristig zu bleibenden Gelenkschäden führen kann. Umso wichtiger ist es, früh zu erkennen, womit man es zu tun hat, und gezielt zu handeln.

Viele Betroffene verwechseln Arthritis mit Arthrose, also dem verschleißbedingten Gelenkabbau. Tatsächlich sind beide Erkrankungen grundlegend verschieden, können aber gemeinsam auftreten. Während Arthrose primär auf Abnutzung beruht, ist Arthritis eine entzündliche Erkrankung, die häufig das Immunsystem oder Infektionserreger als Auslöser hat. Diese Unterscheidung ist nicht nur akademisch, sondern entscheidend für die Wahl der richtigen Behandlung.

In diesem Ratgeber erhalten Sie umfassende, evidenzbasierte Informationen zu Arthritis: von den verschiedenen Formen und Ursachen über typische Symptome und Diagnosemethoden bis hin zu modernen Behandlungsansätzen. Das Ziel ist, Ihnen das Wissen zu vermitteln, das Sie benötigen, um informierte Gespräche mit Ihrem Arzt zu führen und aktiv an Ihrer Gesundheit mitzuwirken. Bitte beachten Sie: Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Untersuchung. Bei anhaltenden oder akuten Gelenkbeschwerden sollten Sie immer einen Arzt aufsuchen.

Was ist Arthritis? Definition und Abgrenzung

Der medizinische Begriff im Überblick

Arthritis (von griechisch arthron = Gelenk und -itis = Entzündung) bezeichnet eine Entzündung eines oder mehrerer Gelenke. Die Entzündung betrifft in der Regel die Gelenkinnenhaut (Synovialis), kann aber auch den Knorpel, den Knochen, die Gelenkkapsel und das umliegende Weichteilgewebe erfassen. Im Unterschied zur Arthrose, die durch mechanischen Verschleiß entsteht, ist bei der Arthritis ein entzündlicher Prozess das primäre Geschehen – ausgelöst durch Infektionen, Autoimmunreaktionen oder Stoffwechselstörungen.

Die Arthritis ist keine einzelne Erkrankung, sondern ein Überbegriff für mehr als 100 verschiedene entzündliche Gelenkerkrankungen. Diese unterscheiden sich erheblich in ihrer Entstehung, ihrem Verlauf, den betroffenen Gelenken und den notwendigen Behandlungsstrategien. Zu den bekanntesten Formen zählen die rheumatoide Arthritis (RA), die reaktive Arthritis, die Gichtarthritis (Arthritis urica), die Psoriasisarthritis und die septische Arthritis.

Arthritis vs. Arthrose: Ein wichtiger Unterschied

Die häufige Verwechslung von Arthritis und Arthrose ist verständlich, da beide Erkrankungen ähnliche Beschwerden verursachen können. Der wesentliche Unterschied liegt jedoch in der Ursache: Bei der Arthrose handelt es sich um einen degenerativen Prozess, bei dem der Gelenkknorpel über Jahre hinweg abgebaut wird – häufig als Folge von Überbelastung, Alter oder genetischer Veranlagung. Bei der Arthritis hingegen steht eine aktive Entzündungsreaktion im Vordergrund, die auch jüngere Menschen treffen kann und häufig ohne erkennbaren Verschleiß beginnt.

Wichtig zu wissen: Beide Erkrankungen können sich gegenseitig bedingen. Eine chronische Arthritis kann langfristig zu sekundärer Arthrose führen, da die anhaltende Entzündung den Knorpel schädigt. Umgekehrt kann eine fortgeschrittene Arthrose entzündliche Schübe auslösen, die einer Arthritis ähneln. Für eine präzise Diagnose und Behandlung ist daher eine genaue ärztliche Abklärung unerlässlich. Weitere Informationen zu den Gemeinsamkeiten und Unterschieden finden Sie in unserem Arthrose-Ratgeber.

In der internationalen Klassifikation (ICD-10) werden die verschiedenen Arthritis-Formen unter unterschiedlichen Codes geführt, was die Vielfalt dieser Erkrankungsgruppe verdeutlicht. Die rheumatoide Arthritis etwa wird als M05–M06 kodiert, die Gichtarthritis als M10, die reaktive Arthritis als M02. Diese Differenzierung ist nicht nur für die Statistik relevant, sondern beeinflusst direkt die Therapiewahl und die Einschätzung der Prognose.

Ursachen und Risikofaktoren der Arthritis

Die wichtigsten Auslöser im Detail

Die Ursachen einer Arthritis sind je nach Form sehr unterschiedlich. Grundsätzlich lassen sich drei große Ursachengruppen unterscheiden: autoimmune Prozesse, Infektionen und Stoffwechselstörungen. Daneben gibt es Mischformen und Arthritiden, deren Entstehung bislang nicht vollständig verstanden ist. Das Wissen über die Ursache ist entscheidend, da es die Behandlungsstrategie grundlegend beeinflusst.

Bei der rheumatoiden Arthritis, der häufigsten chronisch-entzündlichen Gelenkerkrankung, greift das Immunsystem fälschlicherweise körpereigenes Gewebe an – insbesondere die Gelenkinnenhaut. Die genauen Auslöser sind noch nicht vollständig geklärt, aber eine Kombination aus genetischer Veranlagung (bestimmte HLA-Genotypen wie HLA-DR4), Umweltfaktoren (z. B. Rauchen, Infektionen) und hormonellen Einflüssen wird diskutiert. Frauen sind von der rheumatoiden Arthritis etwa zwei- bis dreimal häufiger betroffen als Männer, was auf einen hormonellen Einfluss hindeutet.

Infektiöse und reaktive Ursachen

Die reaktive Arthritis entsteht als Reaktion des Immunsystems auf eine Infektion an anderer Stelle im Körper – meist im Darm oder im Urogenitaltrakt. Typische Auslöser sind Bakterien wie Chlamydia trachomatis, Salmonellen, Campylobacter oder Yersinien. Das Gelenk selbst ist dabei nicht infiziert; vielmehr löst die Immunantwort auf die Erreger eine Entzündungsreaktion im Gelenk aus. Die reaktive Arthritis tritt häufig 1–4 Wochen nach einer Infektion auf und betrifft bevorzugt die Gelenke der unteren Extremitäten.

Die septische (infektiöse) Arthritis hingegen entsteht durch eine direkte Besiedlung des Gelenks mit Krankheitserregern – meist Bakterien wie Staphylokokken oder Streptokokken. Sie ist ein medizinischer Notfall, da die Erreger den Gelenkknorpel innerhalb kurzer Zeit irreversibel zerstören können. Risikofaktoren sind Immunschwäche, Diabetes mellitus, gelenknahe Operationen oder Verletzungen sowie vorbestehende Gelenkerkrankungen.

Stoffwechselbedingte Arthritis: Gicht als Beispiel

Die Gichtarthritis entsteht durch erhöhte Harnsäurewerte im Blut (Hyperurikämie). Überschreitet die Harnsäurekonzentration einen bestimmten Schwellenwert, kristallisiert sie als Mononatriumurat aus und lagert sich in Gelenken ab – besonders häufig im Großzehengrundgelenk. Diese Kristalle lösen eine heftige Entzündungsreaktion aus, die sich als klassischer Gichtanfall äußert. Begünstigend wirken eiweißreiche Ernährung (Purine in Fleisch und Innereien), Alkohol, Übergewicht, bestimmte Medikamente (z. B. Diuretika) und genetische Faktoren.

Folgende Risikofaktoren spielen bei verschiedenen Arthritis-Formen eine Rolle:

  • Genetische Veranlagung: Familiäre Häufung bei rheumatoider Arthritis, Psoriasisarthritis und anderen Formen
  • Geschlecht: Frauen häufiger betroffen bei RA und Lupus; Männer häufiger bei Gicht und ankylosierender Spondylitis
  • Alter: Viele Formen häufiger ab dem 40. Lebensjahr, aber auch Kinder können betroffen sein (juvenile idiopathische Arthritis)
  • Rauchen: Gilt als gesicherter Risikofaktor für die Entwicklung und den schweren Verlauf der rheumatoiden Arthritis
  • Übergewicht: Erhöht das Risiko für Gicht und begünstigt entzündliche Prozesse systemisch
  • Infektionen: Bakterielle und virale Infektionen können Arthritis auslösen oder begünstigen
  • Stress: Psychischer Stress kann Immunreaktionen modulieren und Schübe begünstigen
  • Darmgesundheit: Das Mikrobiom steht in Verdacht, bei Autoimmunarthritiden eine Rolle zu spielen
  • Ernährung: Purinarme bzw. entzündungshemmende Ernährung kann das Risiko beeinflussen
  • Vorerkrankungen: Schuppenflechte (Psoriasis), chronisch-entzündliche Darmerkrankungen und andere Autoimmunerkrankungen erhöhen das Arthritis-Risiko

Es ist wichtig zu verstehen, dass das Vorhandensein eines oder mehrerer Risikofaktoren keine Erkrankung bedeutet – und das Fehlen von Risikofaktoren schützt nicht vollständig vor Arthritis. Die Entstehung ist in den meisten Fällen multifaktoriell, das heißt, mehrere Faktoren wirken zusammen.

Symptome der Arthritis: So äußert sich die Gelenksentzündung

Typische Beschwerden, die Betroffene erleben

Die Symptome einer Arthritis können je nach Form, betroffenem Gelenk und Krankheitsstadium sehr unterschiedlich sein. Es gibt jedoch eine Reihe von Kernsymptomen, die bei den meisten Arthritis-Formen auftreten und wichtige Hinweise auf die Diagnose liefern. Viele Betroffene erleben einen schleichenden Beginn mit zunächst unspezifischen Beschwerden, die über Monate zunehmen – andere berichten von einem plötzlichen, dramatischen Einsetzen der Symptome, etwa beim klassischen Gichtanfall.

Das wichtigste Leitsymptom ist der Gelenkschmerz, der bei Arthritis typischerweise in Ruhe und nachts auftritt oder sich verstärkt – im Gegensatz zur Arthrose, bei der Schmerzen eher unter Belastung zunehmen. Besonders charakteristisch für entzündliche Gelenkerkrankungen wie die rheumatoide Arthritis ist die sogenannte Morgensteifigkeit: Betroffene berichten von Steifheit und Schwerfälligkeit der Gelenke in den ersten 30 Minuten bis mehreren Stunden nach dem Aufstehen. Eine Morgensteifigkeit von mehr als 60 Minuten gilt als klinisch bedeutsam und ist ein wichtiges diagnostisches Kriterium.

Was die meisten Patienten nicht wissen: Arthritis ist mehr als Gelenkschmerz

Neben den lokalen Gelenksymptomen können bei Arthritis – vor allem bei systemischen Formen wie der rheumatoiden Arthritis – auch allgemeine Krankheitszeichen auftreten, die auf eine systemische Entzündungsreaktion hindeuten. Dazu gehören anhaltende Müdigkeit und Erschöpfung (Fatigue), leichtes Fieber, Appetitlosigkeit und ungewollter Gewichtsverlust. Diese Allgemeinsymptome werden von Betroffenen und manchmal auch von Ärzten zunächst nicht mit einer Gelenkerkrankung in Verbindung gebracht, was die Diagnose verzögern kann.

Ein vollständiges Bild der Arthritis-Symptome umfasst:

  • Gelenkschmerz: Oft brennend oder pochend, typischerweise auch in Ruhe und nachts
  • Morgensteifigkeit: Dauer über 30–60 Minuten, charakteristisch für entzündliche Arthritis
  • Schwellung: Durch Ansammlung von Gelenkflüssigkeit (Erguss) und Verdickung der Gelenkinnenhaut
  • Überwärmung: Das betroffene Gelenk fühlt sich wärmer an als das umgebende Gewebe
  • Rötung: Besonders ausgeprägt beim akuten Gichtanfall und bei septischer Arthritis
  • Bewegungseinschränkung: Verminderter Bewegungsumfang durch Schmerz, Schwellung und Kapselschrumpfung
  • Symmetrisches Befallsmuster: Bei rheumatoider Arthritis oft beide Seiten betroffen (z. B. beide Hände)
  • Druckschmerz: Gelenke reagieren auf leichten Druck mit starkem Schmerz
  • Fatigue: Anhaltende Müdigkeit und Erschöpfung, die über normale Müdigkeit hinausgeht
  • Fieber: Vor allem bei septischer Arthritis oder systemischen Formen
  • Gewichtsverlust: Ungewollter Gewichtsverlust bei chronisch-entzündlichen Formen
  • Rheumaknoten: Hautveränderungen bei fortgeschrittener rheumatoider Arthritis
  • Augenbeteiligung: Uveitis (Augenentzündung) vor allem bei ankylosierender Spondylitis

Weitere umfangreiche Informationen zu typischen Gelenksymptomen finden Sie auch in unserem Beitrag zu Arthrose-Symptomen sowie im Ratgeber zu Gelenkschmerzen.

Wann sofort zum Arzt?

Bei bestimmten Symptomen sollten Sie ohne Verzögerung einen Arzt aufsuchen oder die Notaufnahme aufsuchen. Ein plötzlich stark geschwollenes, heißes und extrem schmerzhaftes Gelenk – besonders mit gleichzeitigem Fieber – kann auf eine septische Arthritis hinweisen, die ein medizinischer Notfall ist. Auch anhaltende Morgensteifigkeit über mehrere Wochen, symmetrische Schwellungen an den Fingergelenken oder eine zunehmende Bewegungseinschränkung ohne klare Ursache sind Gründe, zeitnah einen Rheumatologen aufzusuchen. Frühzeitige Diagnose und Therapie sind entscheidend, um bleibende Gelenkschäden zu verhindern.

Verlauf und Stadien der Arthritis

Von der frühen Entzündung bis zum bleibenden Gelenkschaden

Der Verlauf einer Arthritis ist von Form zu Form sehr unterschiedlich. Während manche Formen wie die reaktive Arthritis oft selbstlimitierend sind und sich innerhalb von Wochen bis Monaten zurückbilden, können chronische Formen wie die rheumatoide Arthritis ohne adäquate Behandlung über Jahre hinweg fortschreiten und zu schwerwiegenden Gelenkschäden führen. Das Verständnis der Krankheitsstadien hilft dabei, die Dringlichkeit einer Behandlung einzuschätzen und realistische Erwartungen zu entwickeln.

Die rheumatoide Arthritis – als häufigste chronisch-entzündliche Arthritis – wird klassischerweise in verschiedene Phasen eingeteilt. Im Frühstadium (erste Wochen bis Monate) dominieren Synovitis (Entzündung der Gelenkinnenhaut), Schwellung und Schmerz, ohne dass noch strukturelle Schäden nachweisbar sind. Bildgebende Verfahren zeigen in dieser Phase oft nur Weichteilschwellungen. Mit fortschreitender Erkrankung entstehen im Intermediärstadium erste Erosionen des Knochens und ein zunehmender Knorpelabbau. Im Spätstadium können schwerwiegende Gelenkdeformitäten, Funktionsverluste und eine deutliche Einschränkung der Lebensqualität auftreten.

Klassifikation nach ACR/EULAR und Remissionskriterien

In der Rheumatologie wird zur Beurteilung der Krankheitsaktivität häufig der DAS28-Score (Disease Activity Score, basierend auf 28 Gelenken) verwendet. Er berücksichtigt die Anzahl geschwollener und druckschmerzhafter Gelenke, den Entzündungsmarker CRP sowie die subjektive Krankheitsbeurteilung des Patienten. Anhand dieses Scores werden verschiedene Aktivitätsniveaus unterschieden:

DAS28-WertKrankheitsaktivitätBehandlungsziel
≤ 2,6RemissionTherapieerhalt, ggf. Deeskalation
2,6 – 3,2NiedrigEngmaschige Kontrolle
3,2 – 5,1ModeratTherapieoptimierung
> 5,1HochIntensive Therapie notwendig

Bei anderen Arthritis-Formen – etwa der Gichtarthritis – verläuft die Erkrankung typischerweise in Schüben mit beschwerdefreien Intervallen. Ohne Behandlung werden die Schübe häufiger, länger und intensiver. Im chronischen Stadium kann es zur Bildung von Tophi (Harnsäureansammlungen im Gewebe) und zu bleibenden Gelenkschäden kommen. Die reaktive Arthritis hingegen heilt in 60–80 % der Fälle innerhalb von 3–6 Monaten vollständig ab, kann jedoch in etwa 10–20 % der Fälle einen chronischen Verlauf nehmen.

Entscheidend für den langfristigen Verlauf ist eine frühzeitige, konsequente Behandlung. Moderne Therapien – insbesondere bei der rheumatoiden Arthritis – ermöglichen es vielen Betroffenen heute, eine Remission zu erreichen, also einen Zustand ohne oder mit nur minimaler Krankheitsaktivität. Dies war noch vor wenigen Jahrzehnten kaum vorstellbar und zeigt, welche Fortschritte die Rheumatherapie gemacht hat.

Diagnose der Arthritis: Wie wird sie festgestellt?

Der Weg zur richtigen Diagnose

Die Diagnose einer Arthritis ist oft eine Herausforderung, da viele Formen unterschiedliche Beschwerdebilder zeigen und es keine einzelne Untersuchung gibt, die alle Arthritis-Formen eindeutig nachweist. Ein erfahrener Rheumatologe kombiniert daher verschiedene Untersuchungsmethoden, um ein vollständiges Bild zu erhalten. Die Diagnosestellung kann – je nach Form – von wenigen Tagen bis zu mehreren Jahren dauern, was für Betroffene belastend ist.

Den Ausgangspunkt bildet immer die ausführliche Anamnese: Wann begannen die Beschwerden? Welche Gelenke sind betroffen? Gibt es eine familiäre Vorbelastung? Bestehen Begleiterkrankungen wie Schuppenflechte oder chronisch-entzündliche Darmerkrankungen? Gab es kürzlich Infektionen? Diese Informationen liefern oft erste entscheidende Hinweise auf die Arthritis-Form. Die körperliche Untersuchung folgt unmittelbar: Der Arzt tastet und bewegt alle relevanten Gelenke, beurteilt Schwellung, Überwärmung, Druckschmerz und Bewegungsumfang.

Labordiagnostik: Welche Blutwerte sind relevant?

Blutuntersuchungen liefern wichtige Hinweise auf das Vorliegen und die Art einer Arthritis. Zu den wichtigsten Laborparametern gehören:

  • CRP (C-reaktives Protein): Unspezifischer Entzündungsmarker; erhöht bei aktiver Arthritis
  • BSG (Blutsenkungsgeschwindigkeit): Weiterer Entzündungsmarker, der bei systemischen Erkrankungen ansteigt
  • Rheumafaktor (RF): Autoantikörper, der bei ca. 70–80 % der RA-Patienten nachweisbar ist, aber auch bei anderen Erkrankungen vorkommt
  • Anti-CCP-Antikörper: Hochspezifisch für rheumatoide Arthritis; früh nachweisbar, oft vor Beginn der Symptome
  • ANA (antinukleäre Antikörper): Bei Verdacht auf Lupus und andere Autoimmunerkrankungen
  • HLA-B27: Genetischer Marker, positiv bei ankylosierender Spondylitis und verwandten Erkrankungen
  • Harnsäure: Erhöht bei Gicht; nicht immer während eines akuten Anfalls verlässlich
  • Erregerdiagnostik: Blutkultur, Abstriche oder Gelenkpunktion bei Verdacht auf septische oder reaktive Arthritis
  • Blutbild: Anämie und erhöhte Leukozytenzahl als Hinweise auf systemische Entzündung
  • Nierenwerte und Leberenzyme: Wichtig zur Beurteilung der Organfunktion vor Therapiebeginn

Bildgebung und Gelenkpunktion

Bildgebende Verfahren spielen eine zentrale Rolle bei der Diagnose und Verlaufskontrolle der Arthritis. Das konventionelle Röntgenbild zeigt vor allem im fortgeschrittenen Stadium Erosionen, Gelenkspaltverschmälerungen und Knochenveränderungen. Im Frühstadium ist es jedoch oft noch unauffällig. Wesentlich sensitiver ist die Magnetresonanztomographie (MRT), die frühzeitig Synovitis, Knochenmarksödeme und beginnende Erosionen darstellen kann. Der Ultraschall (Sonographie) hat sich in der Rheumatologie als wertvolles Instrument etabliert: Er kann Gelenkergüsse, Synoviaverdickung und Tenosynovitis in Echtzeit darstellen und ist für den Patienten nebenwirkungsfrei.

Bei unklarem Gelenkerguss oder Verdacht auf septische Arthritis wird eine Gelenkpunktion (Arthroskopie oder Arthrozenthese) durchgeführt: Die entnommene Gelenkflüssigkeit wird auf Zellzahl, Kristalle, Erreger und andere Parameter untersucht. Dies erlaubt eine direkte Beurteilung des Gelenkmilieus und ist für die Unterscheidung zwischen entzündlichen, kristallbedingten und infektiösen Arthritiden oft entscheidend. Eine Gelenkflüssigkeit mit einer Leukozytenzahl über 50.000/µl gilt als stark verdächtig auf eine septische Arthritis und erfordert sofortiges Handeln.

Behandlung der Arthritis: Moderne Therapieoptionen

Das Ziel: Entzündung stoppen, Gelenke schützen

Die Behandlung der Arthritis verfolgt mehrere übergeordnete Ziele: die Linderung von Schmerz und Entzündung, den Schutz der Gelenke vor strukturellen Schäden, den Erhalt der Funktionsfähigkeit und letztlich die Verbesserung der Lebensqualität. Je nach Arthritis-Form, Krankheitsaktivität und individuellem Patientenprofil kommen dabei sehr unterschiedliche Behandlungsansätze zum Einsatz – oft in Kombination. Ein modernes Konzept ist die „Treat-to-Target"-Strategie: Die Therapie wird solange angepasst, bis ein definiertes Behandlungsziel – meist Remission oder niedrige Krankheitsaktivität – erreicht ist.

Grundsätzlich unterscheidet man zwischen symptomatischen Therapien, die Schmerz und Entzündung kurzfristig lindern, und krankheitsmodifizierenden Therapien (DMARDs – Disease-Modifying Antirheumatic Drugs), die den Krankheitsverlauf langfristig beeinflussen. Bei der septischen Arthritis steht die antibiotische Therapie im Vordergrund; bei der Gicht sind harnsäuresenkende Medikamente das Fundament der Langzeittherapie.

Medikamentöse Behandlung

Zu den wichtigsten Medikamentengruppen bei Arthritis gehören:

  • NSAR (Nichtsteroidale Antirheumatika): z. B. Ibuprofen, Diclofenac, Naproxen – lindern Schmerz und Entzündung kurzfristig; nicht für die Langzeittherapie ohne Kontrolle geeignet (Magenprobleme, Nierenschäden)
  • Kortikosteroide: z. B. Prednisolon – wirksam bei akuten Schüben, als Überbrückungstherapie oder intraartikuläre Injektion; Langzeitgabe mit Nebenwirkungen behaftet
  • Konventionelle DMARDs: Methotrexat (MTX) ist das wichtigste Basismedikament bei RA; weitere: Hydroxychloroquin, Sulfasalazin, Leflunomid
  • Biologika: Biotechnologisch hergestellte Medikamente, die gezielt in Entzündungsprozesse eingreifen – z. B. TNF-Hemmer (Adalimumab, Etanercept), IL-6-Hemmer (Tocilizumab) oder B-Zell-Hemmer (Rituximab)
  • JAK-Inhibitoren (Januskinase-Hemmer): Neuere Wirkstoffklasse in Tablettenform – z. B. Tofacitinib, Baricitinib; schnell wirksam, verschiedene Sicherheitsaspekte zu beachten
  • Harnsäuresenkende Medikamente: Allopurinol, Febuxostat bei Gicht – senken den Harnsäurespiegel langfristig und beugen Anfällen vor
  • Antibiotika: Bei septischer Arthritis zwingend erforderlich; Auswahl je nach nachgewiesenem Erreger
  • Analgetika: Paracetamol oder schwache Opioide als Ergänzung bei starkem Schmerz

Physiotherapie, Ergotherapie und Bewegung

Medikamente allein sind selten ausreichend. Physiotherapie spielt eine zentrale Rolle im Arthritis-Management: Gezielte Übungen erhalten die Beweglichkeit, stärken die gelenkumgebende Muskulatur und verbessern die Körperwahrnehmung. Besonders geeignet sind gelenkschonende Sportarten wie Schwimmen, Wassergymnastik, Radfahren oder spezifische Physiotherapieprogramme. Ergotherapie unterstützt dabei, den Alltag trotz Funktionseinschränkungen zu bewältigen – etwa durch Hilfsmittel, Schienen oder die Anpassung von Alltagsbewegungen.

Umfassende Informationen zu Behandlungsmöglichkeiten bei Gelenkerkrankungen finden Sie in unserem Behandlungsratgeber. Auch die Ernährung spielt eine wichtige unterstützende Rolle: Eine entzündungshemmende Ernährung, reich an Omega-3-Fettsäuren, Gemüse und Vollkornprodukten, kann die Krankheitsaktivität positiv beeinflussen – jedoch nicht als alleinige Therapie.

Operative Behandlung und weitere Maßnahmen

Bei schwerwiegenden Gelenkschäden, die auf konservative Therapien nicht ansprechen, kann ein operativer Eingriff notwendig werden. Möglichkeiten sind die Synovektomie (operative Entfernung der entzündeten Gelenkinnenhaut), die Arthroskopie (gelenkerhaltend, minimal-invasiv) oder im Endstadium der Gelenkersatz (Endoprothese). Insbesondere bei Hüft- und Kniegelenken ist die Endoprothetik heute ein etabliertes Verfahren mit guten Langzeitergebnissen. Komplementäre Maßnahmen wie Wärmetherapie (bei nicht akut entzündeten Gelenken), Kältetherapie (bei akuter Entzündung), Balneotherapie und Entspannungsverfahren können die Haupttherapie sinnvoll ergänzen.

Wichtig: Die Therapie der Arthritis sollte immer individuell auf den einzelnen Patienten abgestimmt werden. Die Entscheidung für oder gegen ein Medikament oder eine Maßnahme trifft der behandelnde Arzt gemeinsam mit dem Patienten – unter Berücksichtigung der jeweiligen Arthritis-Form, der Krankheitsaktivität, der Begleiterkrankungen und der persönlichen Lebenssituation.

Prognose: Wie entwickelt sich Arthritis langfristig?

Abhängig von Form, Diagnose und Therapiebeginn

Die Prognose einer Arthritis hängt entscheidend davon ab, um welche Form es sich handelt, wie früh sie erkannt wird und wie konsequent sie behandelt wird. Pauschalaussagen sind daher kaum möglich – die Bandbreite reicht von einer vollständigen Ausheilung (z. B. bei reaktiver Arthritis) bis hin zu einem chronisch-progredienten Verlauf mit erheblicher Funktionseinschränkung (z. B. bei unbehandelter schwerer RA).

Bei der rheumatoiden Arthritis gilt: Je früher die Behandlung beginnt, desto besser die Langzeitprognose. Studien zeigen, dass eine Therapie innerhalb des ersten Krankheitsjahres – dem sogenannten „Window of Opportunity" – die besten Chancen bietet, Gelenkschäden zu verhindern und eine Remission zu erreichen. Mit modernen Biologika und JAK-Inhibitoren gelingt es heute einem erheblichen Teil der Patienten, eine stabile Remission zu erreichen – also einen Zustand, in dem keine oder nur minimale Krankheitsaktivität messbar ist. Dennoch bleibt die rheumatoide Arthritis in den meisten Fällen eine lebenslange Erkrankung, die kontinuierliche Betreuung erfordert.

Günstige und ungünstige Prognosefaktoren

Folgende Faktoren beeinflussen die Prognose der Arthritis:

  • Günstig: Frühe Diagnose und Therapie, niedrige initiale Krankheitsaktivität, negativer Rheumafaktor und Anti-CCP, fehlende Knochenrosionen bei Diagnose, gutes Ansprechen auf Basistherapie
  • Ungünstig: Hohe initiale Krankheitsaktivität, Nachweis von Anti-CCP-Antikörpern (hohes Erosionsrisiko), frühe Gelenkdestruktionen im Röntgenbild, Rauchen, Übergewicht, niedrige sozioökonomische Ressourcen
  • Beeinflussbar: Raucherentwöhnung, Gewichtsreduktion, regelmäßige Physiotherapie, Therapietreue (Adhärenz), entzündungshemmende Ernährung

Für die Gichtarthritis ist die Prognose bei konsequenter harnsäuresenkender Therapie und Lebensstilanpassung (Ernährung, Alkoholverzicht, Gewichtsreduktion) in der Regel gut. Ohne Behandlung hingegen steigt das Risiko für chronische Gicht, Nierenerkrankungen und kardiovaskuläre Erkrankungen erheblich. Die reaktive Arthritis heilt bei den meisten Betroffenen innerhalb von 3–6 Monaten vollständig aus; ein kleiner Teil entwickelt einen chronischen Verlauf.

Übergeordnet gilt: Arthritis ist – je nach Form – zwar oft eine lebenslange Erkrankung, aber kein Schicksal. Mit der richtigen Therapie, einer angepassten Lebensführung und einer aktiven Beteiligung am Behandlungsprozess können viele Betroffene ein weitgehend normales, aktives Leben führen. Regelmäßige Kontrolluntersuchungen beim Rheumatologen sind dabei unverzichtbar, um die Therapie anzupassen und Komplikationen frühzeitig zu erkennen.

Zusammenfassung: Das Wichtigste zu Arthritis auf einen Blick

Arthritis ist ein Sammelbegriff für entzündliche Gelenkerkrankungen mit mehr als 100 verschiedenen Formen. Die häufigsten sind die rheumatoide Arthritis, die Gichtarthritis, die reaktive Arthritis und die Psoriasisarthritis. Allen gemeinsam ist die Entzündung des Gelenks, die durch Schmerz, Schwellung, Überwärmung und Bewegungseinschränkung gekennzeichnet ist. Eine frühzeitige Diagnose und konsequente Therapie sind entscheidend für die Langzeitprognose.

Die Ursachen sind je nach Form unterschiedlich: Autoimmunprozesse, Infektionen, Stoffwechselstörungen und genetische Faktoren spielen eine Rolle. Die Diagnose wird durch Anamnese, körperliche Untersuchung, Labordiagnostik und Bildgebung gestellt. Die Behandlung umfasst Medikamente (NSAR, Kortikosteroide, DMARDs, Biologika), Physiotherapie, Ergotherapie und in schweren Fällen operative Maßnahmen. Unterstützend wirken Lebensstilanpassungen wie eine entzündungshemmende Ernährung, regelmäßige Bewegung und Raucherentwöhnung.

Wenn Sie anhaltende Gelenkschmerzen, Schwellungen oder Morgensteifigkeit bemerken, sollten Sie einen Arzt aufsuchen. Eine frühzeitige Diagnose eröffnet die besten Chancen auf eine effektive Behandlung und den Erhalt Ihrer Gelenkgesundheit. Weiterführende Informationen finden Sie in unserem Arthrose-Ratgeber, im Bereich Gelenkschmerzen sowie in unserem Behandlungsratgeber.

Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Diagnose oder Therapieempfehlung. Bei Beschwerden wenden Sie sich bitte an einen Arzt oder Rheumatologen.

Medizinischer Hinweis

Die Informationen auf dieser Seite dienen ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzen keine persönliche Beratung, Untersuchung oder Diagnose durch einen approbierten Arzt oder Orthopäden. Bei gesundheitlichen Beschwerden konsultieren Sie bitte immer einen Facharzt.

📚Wissenschaftliche Quellen

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