Entzündungshemmende Salbe

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Geprüfte Information

Was ist eine entzündungshemmende Salbe – und wann ist sie sinnvoll?

Schmerzen in Gelenken, Muskeln oder Sehnen gehören zu den häufigsten Beschwerden, mit denen Menschen zwischen 30 und 70 Jahren in eine Arztpraxis kommen. Ob nach sportlicher Überbelastung, bei beginnender Arthrose oder infolge rheumatischer Erkrankungen – entzündliche Prozesse im Gewebe spielen dabei fast immer eine zentrale Rolle. Eine entzündungshemmende Salbe wird in diesen Situationen häufig als erste Maßnahme eingesetzt, um Schmerzen zu lindern und die Entzündungsreaktion lokal zu dämpfen.

Viele Betroffene greifen dabei zunächst zur Selbstmedikation: In deutschen Apotheken sind zahlreiche rezeptfreie Präparate erhältlich, die entzündungshemmende Wirkstoffe enthalten. Laut Angaben des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) zählen topische Antirheumatika – also äußerlich angewendete entzündungshemmende Mittel – zu den am häufigsten gekauften Schmerzmitteln überhaupt. Allein in Deutschland werden jährlich mehrere Millionen Packungen solcher Präparate verkauft.

Doch nicht jede Salbe ist für jede Art von Beschwerde gleichermaßen geeignet. Die Wirksamkeit hängt von verschiedenen Faktoren ab: vom eingesetzten Wirkstoff, von der Konzentration, von der Grundlage der Salbe (ob sie Fett, Gel oder Creme enthält), von der betroffenen Körperstelle und von der Ursache der Entzündung. Ein häufiges Szenario ist, dass Menschen über Wochen eine Salbe anwenden, die nicht zum vorliegenden Beschwerdebild passt – und so wertvolle Zeit verlieren, in der eine gezieltere Therapie angeschlagen hätte.

Dieser Ratgeber erklärt ausführlich, welche Wirkstoffe in entzündungshemmenden Salben vorkommen, wie sie wirken, welche Produkte auf dem Markt erhältlich sind, wie die korrekte Anwendung aussieht und wann es unbedingt ratsam ist, einen Arzt aufzusuchen. Ziel ist es, Ihnen eine fundierte Informationsgrundlage zu bieten – ohne Übertreibungen und ohne Heilversprechen. Informationen zu verwandten Themen finden Sie auch in unserem Bereich Salben & Cremes sowie in den Artikeln zu Gelenkschmerzen.

Wann zum Arzt – und wann reicht die Salbe?

Leichte Muskelkater-ähnliche Schmerzen oder kurzzeitige Überbelastungsreaktionen lassen sich häufig mit einer entzündungshemmenden Salbe gut überbrücken. Anders sieht es aus, wenn die Beschwerden länger als 5–7 Tage anhalten, wenn starke Schwellungen, Rötungen oder Wärme auftreten, wenn Fieber begleitend vorhanden ist oder wenn die Schmerzen trotz Anwendung der Salbe deutlich zunehmen. In diesen Fällen sollte zwingend ein Arzt aufgesucht werden, da ernsthaftere Ursachen wie eine bakterielle Gelenkentzündung, ein Gichtanfall oder eine autoimmune Erkrankung ausgeschlossen werden müssen.

Wichtig: Eine entzündungshemmende Salbe behandelt in erster Linie Symptome. Sie bekämpft nicht die Grundursache einer Erkrankung. Eine ärztliche Diagnose ist der erste und wichtigste Schritt bei anhaltenden oder unklaren Beschwerden.

Wirkstoffe in entzündungshemmenden Salben – ein detaillierter Überblick

Das Herzstück jeder entzündungshemmenden Salbe ist ihr Wirkstoff. Je nach chemischer Klasse und Wirkmechanismus unterscheiden sich die Präparate erheblich in ihrer Stärke, ihrer Anwendungsbreite und ihrem Nebenwirkungsprofil. Grundsätzlich lassen sich die Wirkstoffe in zwei große Kategorien einteilen: synthetische nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR) und pflanzliche bzw. naturheilkundliche Wirkstoffe.

Nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR) – die wirksamsten synthetischen Optionen

Diclofenac ist wohl der bekannteste und am besten untersuchte Wirkstoff in dieser Kategorie. Er hemmt das Enzym Cyclooxygenase (COX), das für die Bildung von Prostaglandinen verantwortlich ist – jenen Botenstoffen, die Entzündung, Schmerz und Schwellung auslösen. Topisches Diclofenac (also als Salbe oder Gel aufgetragen) erreicht laut Studien im betroffenen Gewebe Wirkstoffkonzentrationen, die therapeutisch relevant sind, ohne dabei systemisch (d. h. im ganzen Körper) dieselben Spiegel wie eine Tablette zu erzeugen. Das macht die lokale Anwendung für viele Patienten verträglicher.

Ibuprofen als Gel ist ebenfalls weit verbreitet. Auch Ibuprofen wirkt über die COX-Hemmung und ist gut verträglich bei äußerlicher Anwendung. Studien zeigen, dass Ibuprofen-Gel bei Knieschmerzen und Muskel-Skelett-Schmerzen eine mit oralen Präparaten vergleichbare Wirkung erzielen kann, bei deutlich geringerer systemischer Belastung. Das ist besonders für Patienten relevant, die aufgrund von Magenerkrankungen oder Herzproblemen keine NSAR-Tabletten einnehmen dürfen.

Ketoprofen und Piroxicam sind weitere NSAR, die als Gele oder Cremes erhältlich sind. Ketoprofen ist in Deutschland verschreibungspflichtig und wird häufig bei stärkeren Entzündungsreaktionen eingesetzt, zum Beispiel bei akuten Sehnenentzündungen oder Sportverletzungen. Piroxicam-Gel ist ebenfalls gut untersucht und wird bei rheumatischen Beschwerden eingesetzt.

Pflanzliche Wirkstoffe – alternative und ergänzende Optionen

Neben den synthetischen NSAR gibt es eine wachsende Gruppe pflanzlicher Wirkstoffe, die entzündungshemmende Eigenschaften besitzen. Beinwell (Symphytum officinale) enthält Allantoin und Rosmarinsäure, die entzündungshemmend und abschwellend wirken sollen. Beinwell-Extrakt-Salben werden traditionell bei Prellungen, Zerrungen und Gelenkschwellungen eingesetzt. Einige randomisierte Studien deuten auf eine moderate Wirksamkeit hin, die allerdings geringer ist als bei NSAR.

Teufelskralle (Harpagophytum procumbens) enthält Harpagoside, die entzündungshemmende Eigenschaften besitzen. Als Salbe oder Gel angewendet, kann sie bei Rücken- und Gelenkschmerzen unterstützend wirken. Mehr dazu erfahren Sie in unserem Artikel zur Teufelskrallen-Salbe. Weitere pflanzliche Substanzen umfassen Arnika, Capsaicin (aus Chili, wirkt über einen anderen Mechanismus, nämlich die Erschöpfung des Schmerzbotenstoffs Substanz P) sowie Weidenrindenextrakt.

Übersicht der wichtigsten Wirkstoffe im Vergleich

Wirkstoff Klasse Stärke der Evidenz Typische Anwendung Rezeptpflicht (DE)
Diclofenac NSAR Hoch Arthrose, Sportverletzungen, Rückenschmerzen Nein (bis 1 %)
Ibuprofen NSAR Hoch Muskelschmerzen, Gelenkentzündung Nein
Ketoprofen NSAR Mittel–Hoch Sehnenentzündung, rheumatische Beschwerden Ja
Piroxicam NSAR Mittel Chronische Gelenkentzündung Nein
Beinwell-Extrakt Pflanzlich Moderat Prellungen, Zerrungen Nein
Teufelskralle Pflanzlich Moderat Rücken-, Gelenkschmerzen Nein
Capsaicin Pflanzlich Mittel Chronische Schmerzen, Neuropathie Nein
Arnika Pflanzlich Gering–Moderat Prellungen, leichte Entzündungen Nein

Es ist wichtig zu verstehen, dass die Wirksamkeit eines Wirkstoffs allein nicht ausreicht – entscheidend ist auch die Galenik, also die Zusammensetzung der Grundlage. Gele penetrieren die Haut in der Regel besser als fettreiche Salben, weshalb sie besonders für oberflächlichere Strukturen (wie Sehnen oder kleine Gelenke) gut geeignet sind. Bei tieferliegenden Gelenken wie dem Hüftgelenk ist die Eindringtiefe topischer Präparate hingegen begrenzt.

Bekannte entzündungshemmende Salben und Präparate auf dem Markt

Der Markt für entzündungshemmende Salben ist breit und kann auf den ersten Blick unübersichtlich wirken. Apothekenregale bieten oft Dutzende von Präparaten an, die sich in Wirkstoff, Konzentration, Grundlage und Preis unterscheiden. Dieser Abschnitt gibt einen neutralen Überblick über gängige Produktkategorien – ohne Empfehlung für ein spezifisches Produkt, da die individuelle Eignung immer von der persönlichen Situation abhängt.

Diclofenac-Gele – die meistverkaufte Kategorie

Präparate mit Diclofenac-Natrium oder Diclofenac-Diethylamin als Wirkstoff sind in Deutschland in verschiedenen Konzentrationen (0,5 %, 1 %, 1,16 %) und Grundlagen (Gel, Emulgel, Spray) erhältlich. Einige Produkte sind rezeptfrei in Apotheken erhältlich, andere benötigen ein ärztliches Rezept – insbesondere bei höheren Konzentrationen. Typische Anwendungsgebiete sind Knieschmerzen (mehr dazu in unserem Artikel zu Knieschmerzen), Arthrosebeschwerden, Rückenschmerzen und Sportverletzungen.

Ein wichtiges Merkmal von Diclofenac-Gelen ist ihre vergleichsweise gute Datenlage: Mehrere randomisierte kontrollierte Studien und Metaanalysen belegen eine klinisch relevante Schmerzreduktion gegenüber Placebo. Eine im British Journal of Sports Medicine veröffentlichte Metaanalyse zeigte, dass topisches Diclofenac bei akuten muskuloskelettalen Schmerzen signifikant wirksamer als Placebo war. Die Effektgröße war moderat, aber klinisch bedeutsam.

Ibuprofen-Gele und Kombinationspräparate

Ibuprofen-Gele sind häufig in der 5-%-Konzentration erhältlich und eignen sich besonders für Muskelschmerzen, Prellungen und leichte Gelenkentzündungen. Manche Kombinationspräparate enthalten neben dem NSAR auch kühlende oder durchblutungsfördernde Substanzen wie Menthol oder Heparin. Heparin selbst ist nicht entzündungshemmend, kann aber abschwellend wirken und die Resorption fördern. Ein häufiges Beispiel sind Gele bei Sportverletzungen, die sowohl analgetisch als auch ödemhemmend wirken sollen.

Pflanzliche und naturheilkundliche Produkte

Beinwell-Salben und -Gele sind in Apotheken und Drogerien weit verbreitet. Sie werden meist bei Prellungen, Zerrungen, Verstauchungen und Sportverletzungen empfohlen. Teufelskrallen-Gele finden ebenfalls Anwendung bei Rücken- und Gelenkschmerzen. Arnika-Salben werden traditionell bei Blutergüssen und Schwellungen verwendet. Capsaicin-Cremes sind besonders bei chronischen Schmerzzuständen interessant, da sie über einen völlig anderen Mechanismus wirken.

Kombination mit anderen Therapieformen

Entzündungshemmende Salben werden selten als alleinige Therapie eingesetzt. Häufig kombinieren Ärzte und Therapeuten sie mit oralen Schmerzmedikamenten, Physiotherapie, Kühlung oder Wärmeanwendungen und gezielten Übungen. Mehr Informationen zu kombinierten Schmerzgel-Optionen finden Sie auch in unserem Ratgeber zum Schmerzgel.

Es empfiehlt sich, vor dem Kauf eines Präparats das Beratungsgespräch in der Apotheke zu nutzen. Pharmazeutisch-technische Assistenten und Apothekerinnen und Apotheker können auf Grundlage Ihrer Beschwerden, Ihrer aktuellen Medikation und möglicher Vorerkrankungen eine geeignete Produktkategorie empfehlen. Besonders bei gleichzeitiger Einnahme von Blutverdünnern, bestimmten Herzmedikamenten oder anderen NSAR ist Vorsicht geboten.

Richtige Anwendung entzündungshemmender Salben – worauf es ankommt

Die korrekte Anwendung einer entzündungshemmenden Salbe ist entscheidend für ihre Wirksamkeit. Viele Betroffene unterschätzen, wie viel Unterschied die richtige Technik, die Menge und die Häufigkeit der Anwendung machen können. Gleichzeitig gibt es eine Reihe häufiger Fehler, die die Wirkung abschwächen oder das Risiko von Nebenwirkungen erhöhen.

Schritt für Schritt: So wenden Sie die Salbe korrekt an

  • Hautpflege vor der Anwendung: Die betroffene Hautstelle sollte sauber und trocken sein. Verschmutzte oder fettige Haut kann die Aufnahme des Wirkstoffs verringern.
  • Die richtige Menge: Je nach Produktgröße und betroffenem Bereich werden meist 2–4 g Gel oder Salbe auf eine Fläche von etwa 400–800 cm² aufgetragen. Das entspricht etwa einer erbsen- bis haselnussgroßen Menge pro Handgröße Körperfläche.
  • Sanftes Einreiben: Die Salbe sollte sanft und gleichmäßig einmassiert werden, bis sie vollständig eingezogen ist. Starkes Reiben ist nicht notwendig und kann die Haut reizen.
  • Häufigkeit: Die meisten Präparate werden 3–4 Mal täglich aufgetragen. Die genaue Anwendungsfrequenz entnehmen Sie bitte dem Beipackzettel des jeweiligen Produkts.
  • Anwendungsdauer: Entzündungshemmende Salben sollten in der Regel nicht länger als 7–14 Tage ohne ärztliche Rücksprache angewendet werden. Bei chronischen Erkrankungen wie Arthrose legt der Arzt einen individuellen Behandlungsplan fest.
  • Keine offene Wunden: Die Salbe darf niemals auf offene Wunden, geschädigte oder stark gereizte Haut aufgetragen werden.
  • Schleimhäute meiden: Die Salbe darf nicht in Augen, Mund oder andere Schleimhäute gelangen. Nach der Anwendung die Hände gründlich waschen, sofern das Präparat nicht auf den Händen selbst angewendet wurde.
  • Okklusion vermeiden: Luftdichte Verbände oder Pflaster über der aufgetragenen Salbe können die Resorption und damit das Nebenwirkungsrisiko deutlich erhöhen. Nur auf ausdrückliche ärztliche Anweisung anwenden.
  • Keine Wärmeanwendung kombinieren: Wärmepflaster, Heizkissen oder Infrarotstrahler sollten nicht gleichzeitig mit der Salbenapplikation angewendet werden, da dies die Hautdurchblutung erhöht und zu unerwünschter Mehrabsorption führen kann.
  • Sonnenlicht meiden (bei Ketoprofen): Ketoprofen-haltige Gele können photosensibilisierend wirken. Die behandelten Hautstellen sollten nach der Anwendung nicht der Sonne ausgesetzt werden.

Anwendung bei verschiedenen Körperstellen

Nicht alle Körperstellen sind für die lokale Anwendung entzündungshemmender Salben gleichermaßen geeignet. An dünner Haut (wie an der Innenseite der Handgelenke) wird der Wirkstoff schneller resorbiert als an dickerer Haut (wie der Fußsohle). Bei großflächiger Anwendung – zum Beispiel am Rücken – steigt die systemische Aufnahme und damit das Risiko systemischer Nebenwirkungen. Besonders tieferliegende Gelenke wie die Hüfte sind topisch schwer erreichbar; hier ist eine orale Therapie oft wirksamer.

Wann sollte die Anwendung abgebrochen werden?

Treten Hautreaktionen wie starkes Brennen, Blasenbildung, ausgeprägte Rötung oder Juckreiz auf, sollte die Anwendung sofort unterbrochen und die Stelle gründlich mit Wasser gereinigt werden. Allergische Reaktionen auf NSAR-Wirkstoffe sind selten, aber möglich. Bei Zeichen einer systemischen Reaktion (Atemnot, Schwindel, Kreislaufbeschwerden) ist umgehend ärztliche Hilfe zu suchen.

Nebenwirkungen und Risiken – was Sie wissen sollten

Entzündungshemmende Salben gelten im Vergleich zu oralen NSAR als deutlich verträglicher, da die systemische Aufnahme des Wirkstoffs wesentlich geringer ist. Dennoch sind sie nicht völlig nebenwirkungsfrei. Wer die möglichen Risiken kennt, kann gezielt darauf achten und frühzeitig reagieren.

Häufige lokale Nebenwirkungen

Die häufigsten Nebenwirkungen betreffen die Haut an der Auftragsstelle. Dazu gehören:

  • Leichtes Brennen oder Kribbeln nach dem Auftragen – oft passager und nicht behandlungsbedürftig
  • Rötung oder Wärme der Haut – meist mild und vorübergehend
  • Juckreiz oder trockene Haut – besonders bei Gelen mit Alkoholgehalt
  • Kontaktdermatitis – eine allergische Reaktion der Haut, die sich durch stärkere Rötung, Schuppung oder Bläschen zeigt
  • Lichtempfindlichkeit – insbesondere bei Ketoprofen-Gelen; die behandelte Haut sollte für einige Wochen nach Absetzen vor UV-Strahlung geschützt werden

Systemische Nebenwirkungen – selten, aber möglich

Bei großflächiger oder sehr häufiger Anwendung kann ein nennenswerter Teil des Wirkstoffs in den Blutkreislauf gelangen. Dies gilt insbesondere bei:

  • Anwendung unter Okklusion (luftdichte Abdeckung)
  • Anwendung auf geschädigter oder entzündeter Haut
  • Gleichzeitiger Einnahme von oralen NSAR
  • Großflächiger Anwendung über einen längeren Zeitraum

In solchen Fällen können theoretisch dieselben systemischen Nebenwirkungen auftreten wie bei oralen NSAR: Magenreizung, Nierenfunktionsstörungen, erhöhtes Blutungsrisiko oder kardiovaskuläre Effekte. Diese sind bei normaler topischer Anwendung jedoch deutlich seltener als bei oralen Präparaten. Studien schätzen, dass die systemische Bioverfügbarkeit topischer NSAR nur 5–10 % der oralen Einnahme beträgt.

Besondere Risikogruppen

Für einige Personengruppen ist bei der Anwendung entzündungshemmender Salben besondere Vorsicht geboten:

  • Schwangere und Stillende: NSAR-haltige Salben sollten im letzten Schwangerschaftsdrittel nicht angewendet werden. Im ersten und zweiten Trimester nur nach Rücksprache mit dem Arzt.
  • Kinder unter 12 Jahren: Viele Präparate sind für Kinder nicht zugelassen. Immer den Beipackzettel beachten.
  • Patienten mit NSAR-Unverträglichkeit oder Aspirin-Asthma: Auch topische NSAR können bei sensibilisierten Patienten Reaktionen auslösen.
  • Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion: Bei regelmäßiger oder großflächiger Anwendung sollte der Arzt informiert werden.
  • Ältere Patienten: Die Haut wird im Alter durchlässiger, was die Resorption von Wirkstoffen erhöhen kann.
Hinweis: Lesen Sie vor der Anwendung stets den Beipackzettel vollständig und besprechen Sie die geplante Therapie mit Ihrem Arzt oder Apotheker – insbesondere wenn Sie weitere Medikamente einnehmen oder unter chronischen Erkrankungen leiden.

Praktische Tipps für den Alltag – so optimieren Sie Ihre Behandlung

Entzündungshemmende Salben entfalten ihre beste Wirkung im Rahmen eines umfassenden Behandlungskonzepts. Wer zusätzlich auf Lebensstil, Bewegung und ergänzende Maßnahmen achtet, kann häufig eine deutlich bessere und nachhaltigere Linderung seiner Beschwerden erreichen als durch die alleinige Salbenanwendung.

Begleitende Maßnahmen, die die Wirkung unterstützen können

  • Kühlung bei akuten Entzündungen: In der Akutphase (innerhalb der ersten 48–72 Stunden nach Verletzung oder Entzündungsschub) kann gekühlte Gel-Anwendung oder zusätzliche Kühlung mit einem Coolpack (nie direkt auf die Haut) die entzündungshemmende Wirkung unterstützen.
  • Wärme bei chronischen Beschwerden: Bei chronisch-degenerativen Gelenkerkrankungen wie der Arthrose kann Wärme (Wärmflasche, Infrarotlicht) zwischen den Salben-Anwendungen die Muskulatur entspannen und die Durchblutung fördern – jedoch nicht unmittelbar nach der Salbenanwendung.
  • Physiotherapie gezielt einsetzen: Regelmäßige physiotherapeutische Übungen stärken die gelenkumgebende Muskulatur und können die Belastung auf entzündete Strukturen reduzieren. Die Kombination aus lokaler Salbentherapie und Physiotherapie ist bei Arthrose gut belegt.
  • Gewichtsmanagement: Übergewicht erhöht die Belastung auf Knie-, Hüft- und Sprunggelenke erheblich. Jedes Kilogramm Körpergewicht entspricht beim Gehen etwa einer 3–5-fachen Lasterhöhung auf das Kniegelenk. Gewichtsreduktion kann Gelenkbeschwerden signifikant verbessern.
  • Schuhe und Einlagen: Orthopädische Einlagen oder geeignetes Schuhwerk können Fehlbelastungen reduzieren und die Therapie unterstützen.
  • Stressreduktion: Chronischer Stress erhöht den Spiegel entzündungsfördernder Botenstoffe im Körper. Entspannungstechniken wie Yoga, Meditation oder Atemübungen können ergänzend hilfreich sein.
  • Ernährung: Eine ausgewogene, antientzündliche Ernährung (reich an Omega-3-Fettsäuren, Gemüse, Obst, wenig verarbeiteten Lebensmitteln) kann chronische Entzündungsprozesse im Körper langfristig dämpfen.
  • Dokumentation der Beschwerden: Ein Schmerztagebuch kann helfen, Muster zu erkennen (Tageszeit, Aktivität, Wetter) und dem Arzt bei der Therapiesteuerung wichtige Hinweise zu geben.
  • Keine Selbstdiagnose bei neuen Beschwerden: Wenn plötzlich neue oder unbekannte Schmerzen auftreten, sollten diese immer ärztlich abgeklärt werden, bevor mit einer Selbstmedikation begonnen wird.

Was die meisten Patienten nicht wissen: Die Grundlage der Salbe ist entscheidend

Viele Menschen greifen intuitiv zu Salben, weil sie „cremiger" wirken und sich angenehmer anfühlen. Dabei ist es wissenschaftlich gut belegt, dass Gele in den meisten Fällen eine bessere Penetration des Wirkstoffs ermöglichen als fettreiche Salben – vor allem an wenig behaarten Hautstellen. Salben mit hohem Fettanteil eignen sich besser für trockene, schuppige Haut, während Gele für die gezielte Schmerzbehandlung an Gelenken und Sehnen meist bevorzugt werden. Wenn Sie unsicher sind, welche Grundlage für Ihre Beschwerden am besten geeignet ist, sprechen Sie Ihren Apotheker an.

Langfristige Strategie bei chronischen Erkrankungen

Bei chronischen Erkrankungen wie der Arthrose oder rheumatischen Erkrankungen ist die Salbe nur ein Baustein in einem umfassenden Therapiekonzept. Regelmäßige ärztliche Kontrollen, angepasste Bewegungstherapie, ggf. medikamentöse Therapie und bei Bedarf physikalische Therapien (Elektrotherapie, Ultraschall, Kältekammern) ergänzen die lokale Behandlung. Entscheidend ist eine individuelle, auf die Person zugeschnittene Therapieplanung – kein Standardkonzept passt für alle.

Zusammenfassung – das Wichtigste zur entzündungshemmenden Salbe auf einen Blick

Entzündungshemmende Salben sind ein bewährtes und gut untersuchtes Mittel zur lokalen Behandlung von Schmerzen und Entzündungen am Bewegungsapparat. Sie kommen bei einer Vielzahl von Beschwerden zum Einsatz – von akuten Sportverletzungen über Sehnenentzündungen bis hin zu chronischen Gelenkerkrankungen wie der Arthrose. Ihr wesentlicher Vorteil gegenüber oralen Schmerzmitteln liegt in der deutlich geringeren systemischen Belastung bei gleichzeitig guter lokaler Wirksamkeit.

Die wichtigsten Wirkstoffe sind synthetische NSAR wie Diclofenac und Ibuprofen, die über die Hemmung des COX-Enzyms wirken und für die eine gute Evidenzbasis aus klinischen Studien besteht. Ergänzend gibt es pflanzliche Alternativen wie Beinwell-Extrakt, Teufelskralle, Arnika und Capsaicin, die ein moderates Wirkprofil aufweisen und für manche Anwendungsszenarien geeignet sind.

Die korrekte Anwendung – richtige Menge, Häufigkeit, Körperstelle und Dauer – ist maßgeblich für den Therapieerfolg. Gleichzeitig sollten die Grenzen dieser Therapieform bekannt sein: Tieferliegende Gelenke sind topisch schwer erreichbar, und bei systemischen Erkrankungen wie rheumatoider Arthritis reicht eine Salbe als alleinige Therapie nicht aus.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Entzündungshemmende Salben wirken lokal und belasten den Körper weniger als Tabletten
  • Diclofenac und Ibuprofen sind die am besten belegten Wirkstoffe
  • Gele penetrieren die Haut in der Regel besser als Salben
  • Nicht länger als 7–14 Tage ohne ärztliche Rücksprache anwenden
  • Auf offene Wunden und Schleimhäute niemals auftragen
  • Bei Hautreaktionen sofort absetzen und Arzt aufsuchen
  • Risikogruppen (Schwangere, Kinder, ältere Patienten) sollten besondere Vorsicht walten lassen
  • Am wirksamsten im Rahmen eines umfassenden Therapiekonzepts mit Bewegung und Physiotherapie
  • Bei anhaltenden, starken oder neu auftretenden Beschwerden immer einen Arzt aufsuchen

Entzündungshemmende Salben sind kein Allheilmittel, aber ein wertvolles Instrument im Umgang mit muskuloskelettalen Beschwerden – wenn sie richtig eingesetzt werden. Nutzen Sie die Informationen dieses Ratgebers als Ausgangspunkt für ein Gespräch mit Ihrem Arzt oder Apotheker, um die für Ihre individuelle Situation beste Lösung zu finden. Weiterführende Informationen finden Sie auch in unserem Salben & Cremes Bereich sowie in den Artikeln zu Gelenkschmerzen und Arthrose.

Medizinischer Hinweis

Die Informationen auf dieser Seite dienen ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzen keine persönliche Beratung, Untersuchung oder Diagnose durch einen approbierten Arzt oder Orthopäden. Bei gesundheitlichen Beschwerden konsultieren Sie bitte immer einen Facharzt.

📚Wissenschaftliche Quellen

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