Tendinitis

🎧 Artikel anhören

Keine Zeit zu lesen? Lassen Sie sich den Artikel vorlesen – perfekt für unterwegs!

Geprüfte Information

Was ist Tendinitis?

Eine Entzündung, die mehr Menschen betrifft als gedacht

Ein stechender Schmerz an der Schulter nach dem Tennismatch, ein brennendes Ziehen an der Achillessehne nach dem Joggen, oder anhaltende Beschwerden am Ellenbogen nach stundenlangem Tippen am Computer – all das können Zeichen einer Tendinitis sein. Diese Sehnenreizung gehört zu den häufigsten Überlastungsschäden des Bewegungsapparats und betrifft Schätzungen zufolge Millionen von Menschen in Deutschland jedes Jahr. Dabei sind nicht nur Leistungssportler betroffen: Auch Büroangestellte, Handwerker, Gartenliebhaber und Menschen im mittleren bis höheren Alter erleben regelmäßig die typischen Beschwerden einer Sehnenentzündung.

Der Begriff Tendinitis setzt sich aus dem lateinischen Wort tendo (Sehne) und der Endung -itis (Entzündung) zusammen und bezeichnet eine entzündliche Reizung einer oder mehrerer Sehnen. Sehnen sind festes, faseriges Bindegewebe, das Muskeln mit Knochen verbindet und so Kraft überträgt. Wenn diese Strukturen dauerhaft belastet, falsch beansprucht oder durch direkte Verletzungen geschädigt werden, kann eine Entzündungsreaktion entstehen, die sich als Schmerz, Schwellung und Bewegungseinschränkung äußert.

In der modernen Medizin wird zunehmend zwischen einer echten entzündlichen Tendinitis und einer degenerativen Tendinopathie unterschieden. Bei letzterer stehen mikroskopische Gewebeveränderungen im Vordergrund, ohne dass klassische Entzündungszeichen überwiegen. Im allgemeinen Sprachgebrauch – und auch in diesem Artikel – wird der Begriff Tendinitis jedoch weiter gefasst und schließt beide Formen der Sehnenproblematik ein. Für Betroffene ist diese Unterscheidung zunächst weniger wichtig als das Verständnis der Beschwerden und der verfügbaren Behandlungsmöglichkeiten.

Viele Betroffene berichten, dass sie die ersten Warnsignale einer Tendinitis zunächst ignorieren oder als normale Muskelkater-Erscheinung einordnen. Das ist verständlich, kann aber dazu führen, dass aus einer leicht behandelbaren akuten Reizung ein chronisches Problem wird. Dieser Ratgeber erklärt ausführlich, wie eine Tendinitis entsteht, welche Symptome typisch sind, wie die Diagnose gestellt wird und welche Behandlungsoptionen es gibt – damit Sie gut informiert in ein Gespräch mit Ihrem Arzt gehen können. Bei anhaltenden oder starken Beschwerden sollten Sie stets ärztlichen Rat einholen.

Eine Tendinitis kann im Zusammenhang mit anderen Erkrankungen des Bewegungsapparats stehen. Wer bereits unter Gelenkschmerzen leidet oder eine Grunderkrankung wie Rheuma hat, trägt ein erhöhtes Risiko, auch Sehnenprobleme zu entwickeln. Umgekehrt können unbehandelte Sehnenentzündungen zu veränderten Bewegungsmustern führen, die wiederum Gelenke belasten und langfristig zu Arthrose beitragen können.

Ursachen und Risikofaktoren der Tendinitis

Wie entsteht eine Sehnenentzündung?

Die Entstehung einer Tendinitis ist selten auf eine einzige Ursache zurückzuführen. Meist handelt es sich um ein Zusammenspiel aus mechanischer Belastung, individuellen körperlichen Voraussetzungen und äußeren Faktoren. Die häufigste Ursache ist eine chronische Überlastung der Sehne durch wiederholte, gleichförmige Bewegungen. Wenn Sehnengewebe immer wieder die gleichen Belastungsreize erhält, ohne ausreichend Zeit zur Erholung zu bekommen, entstehen winzige Mikrorisse im Kollagengeflecht. Der Körper leitet dann eine Heilungsreaktion ein, die sich als Entzündung manifestiert.

Ein häufiges Szenario ist zum Beispiel der plötzliche Anstieg der sportlichen Aktivität: Wer nach einer längeren Pause mit dem Laufen beginnt und sofort täglich viele Kilometer absolviert, setzt seine Achillessehne einem Risiko aus, das die Regenerationsfähigkeit des Gewebes übersteigt. Ähnliches gilt für Berufsgruppen wie Fliesenleger, Maler oder Musiker, die über Stunden hinweg repetitive Handbewegungen ausführen und dabei bestimmte Sehnen immer wieder belasten.

Die häufigsten Ursachen im Überblick

  • Repetitive Überlastung: Wiederholte gleichförmige Bewegungen im Beruf oder Sport sind die Hauptursache
  • Plötzliche Intensitätssteigerung: Zu schnelle Steigerung von Trainingsumfang oder -intensität ohne ausreichende Adaptation
  • Falsche Technik: Fehlerhafte Bewegungsausführung beim Sport oder am Arbeitsplatz erhöht die Belastung einzelner Sehnenabschnitte
  • Ungeeignetes Schuhwerk: Vor allem bei Achillessehnen- und Fußproblemen spielt mangelnde Unterstützung eine Rolle
  • Muskuläre Dysbalancen: Ungleichgewichte zwischen agonistischen und antagonistischen Muskelgruppen erhöhen die Sehnenbeanspruchung
  • Direkte Traumata: Stoß, Zerrung oder Prellung kann eine Entzündung auslösen
  • Altersbedingte Gewebeveränderungen: Mit zunehmendem Alter verliert Sehnengewebe an Elastizität und Belastbarkeit
  • Rheumatische Grunderkrankungen: Erkrankungen wie rheumatoide Arthritis oder Gicht können Sehnenentzündungen begünstigen
  • Medikamentöse Nebenwirkungen: Bestimmte Antibiotika (Fluorchinolone) können das Sehnengewebe schädigen
  • Stoffwechselerkrankungen: Diabetes mellitus, Schilddrüsenerkrankungen und erhöhte Harnsäurewerte stehen mit einem erhöhten Tendinitis-Risiko in Verbindung
  • Anatomische Besonderheiten: Beinlängendifferenzen, Achsfehlstellungen oder Fußfehlstellungen wie Plattfuß können die Sehnenbelastung ungünstig verteilen
  • Kältere Temperaturen: Mangelnde Aufwärmung vor körperlicher Aktivität bei niedrigen Außentemperaturen

Wer ist besonders gefährdet?

Statistisch gesehen sind Menschen zwischen 30 und 60 Jahren am häufigsten von Tendinitis betroffen. In diesem Altersabschnitt ist die körperliche Aktivität oft noch hoch, während die Regenerationsfähigkeit des Bindegewebes bereits merklich nachlässt. Männer und Frauen sind grundsätzlich gleich häufig betroffen, wobei die betroffenen Körperstellen aufgrund unterschiedlicher sportlicher und beruflicher Aktivitäten variieren können.

Besonders gefährdet sind Ausdauersportler wie Läufer, Radfahrer und Schwimmer, Mannschaftssportler wie Tennis- und Badmintonspieler sowie Menschen in körperlich fordernden Berufen. Aber auch Büroangestellte, die täglich viele Stunden in ungünstiger Körperhaltung am Schreibtisch verbringen, können eine Tendinitis an Schulter, Nacken oder Unterarm entwickeln. Der Zusammenhang zwischen sitzender Tätigkeit und Sehnenproblemen wird in der Forschung zunehmend untersucht.

Ein weiterer, oft unterschätzter Risikofaktor ist unzureichendes Aufwärmen vor körperlicher Belastung. Kalt beanspruchte Sehnen sind weniger elastisch und anfälliger für Mikroverletzungen. Regelmäßiges Dehnen, ein schrittweiser Belastungsaufbau und ausreichende Erholungszeiten sind daher wirksame präventive Maßnahmen, die sich wissenschaftlich gut begründen lassen.

Symptome der Tendinitis

Typische Beschwerden erkennen

Die Symptome einer Tendinitis sind in den meisten Fällen charakteristisch, können aber je nach betroffener Sehne, Schweregrad und individuellem Verlauf variieren. Das Leitsymptom ist ein lokalisierter Schmerz entlang der betroffenen Sehne oder an deren Ansatzpunkt am Knochen. Dieser Schmerz tritt zunächst häufig nur bei Belastung auf, kann sich aber im Laufe der Zeit auch in Ruhe bemerkbar machen.

Viele Betroffene beschreiben den Schmerz als ziehend, brennend oder stechend. Charakteristisch ist der sogenannte Anlaufschmerz: Besonders morgens nach dem Aufstehen oder nach längerem Sitzen sind die ersten Schritte oder Bewegungen schmerzhaft. Nach kurzer Eingewöhnungszeit lassen die Beschwerden oft etwas nach, nur um bei längerer Belastung wieder zuzunehmen. Dieses Muster unterscheidet die Tendinitis häufig von anderen Ursachen von Gelenkschmerzen.

Symptome nach Schweregrad

Schweregrad Typische Beschwerden Belastbarkeit
Leicht (Grad 1) Schmerz nur nach Belastung, keine Ruheprobleme Weitgehend normal möglich
Mittel (Grad 2) Schmerz während und nach Belastung, morgendlicher Anlaufschmerz Eingeschränkt, Anpassung nötig
Schwer (Grad 3) Dauerschmerz, Ruheschmerz, deutliche Schwellung Stark eingeschränkt bis aufgehoben
Chronisch (Grad 4) Strukturveränderungen, Kalkeinlagerungen möglich Langfristig beeinträchtigt

Begleitende Beschwerden

Neben dem Schmerz können weitere Symptome auftreten, die auf eine Entzündungsreaktion hinweisen:

  • Lokale Schwellung im Bereich der betroffenen Sehne
  • Druckempfindlichkeit beim Betasten der Sehne oder des Sehnenansatzes
  • Überwärmung der betroffenen Region, die sich durch Handberührung feststellen lässt
  • Hautrötung über der entzündeten Sehne bei stärker ausgeprägten Fällen
  • Bewegungseinschränkung des zugehörigen Gelenks, etwa eingeschränkte Schulterrotation oder Ellenbogenstreckung
  • Knirschen oder Reiben beim Bewegen der Sehne, medizinisch als Krepitation bezeichnet
  • Kraftminderung in der zugehörigen Muskelgruppe
  • Steifigkeitsgefühl vor allem nach Ruhepausen

Was viele Patienten nicht wissen

Ein wichtiger, oft übersehener Aspekt ist die Unterscheidung zwischen akuter und chronischer Tendinitis. Bei der akuten Form überwiegen die klassischen Entzündungszeichen – Schmerz, Schwellung, Wärme, Rötung. Die chronische Form, auch Tendinopathie oder Tendinose genannt, ist dagegen durch degenerative Veränderungen des Sehnengewebes geprägt, ohne dass zwingend eine aktive Entzündung vorliegt. Die Schmerzen können bei chronischen Verläufen diffuser und schwerer zu lokalisieren sein.

Darüber hinaus kann eine Tendinitis mitunter mit anderen Erkrankungen verwechselt werden, was die Diagnose erschwert. Schleimbeutelentzündungen (Bursitis), Muskelverspannungen, Nervenkompressionen oder auch eine beginnende Arthrose können ähnliche Symptome verursachen. Eine genaue ärztliche Untersuchung ist daher immer empfehlenswert, wenn die Beschwerden länger als einige Tage anhalten oder besonders stark ausgeprägt sind.

Häufige Lokalisationen der Tendinitis

Welche Sehnen sind am häufigsten betroffen?

Eine Tendinitis kann grundsätzlich jede Sehne des Körpers betreffen. Es gibt jedoch bestimmte anatomische Regionen, die aufgrund ihrer Funktion, Lage und Belastung deutlich häufiger Entzündungsreaktionen zeigen. Das Wissen um diese typischen Lokalisationen hilft dabei, Beschwerden besser einzuordnen und gezielt behandeln zu lassen.

Die wichtigsten Lokalisationen im Detail

Schulterbereich – Rotatorenmanschette Die Sehnen der Rotatorenmanschette, besonders die Supraspinatussehne, sind eine der häufigsten Lokalisationen für Tendinitis. Schätzungen zufolge sind Schulterprobleme für rund 20–25 % aller Besuche beim Orthopäden verantwortlich. Überkopfarbeiten, intensive Schulterbewegungen beim Sport und degenerative Veränderungen ab dem 40. Lebensjahr machen diese Region besonders anfällig. Betroffene klagen über Schmerzen beim Heben des Arms, beim Schlafen auf der betroffenen Seite und beim Greifen hinter den Rücken.

Ellenbogen – Tennisarm und Golferarm Die Epicondylitis lateralis (Tennisarm) ist eine Sehnenentzündung am Außenknorren des Ellenbogens, bei der die Streckmuskulatur des Unterarms betroffen ist. Die Epicondylitis medialis (Golferarm) betrifft die Beugemuskulatur am Innenknorren. Trotz ihrer Namen treten diese Beschwerden häufig bei Menschen auf, die weder Tennis spielen noch Golf – Computerarbeit, Handwerk und repetitive Greifbewegungen sind weit verbreitete Auslöser. In Deutschland leiden schätzungsweise 1–3 % der Bevölkerung an einer Epicondylitis.

Knie – Patellasehne (Jumper's Knee) Die Patellasehne verbindet die Kniescheibe mit dem Schienbein und ist besonders bei Sprungsportarten wie Basketball, Volleyball und Leichtathletik gefährdet. Der umgangssprachliche Begriff „Jumper's Knee" beschreibt treffend die Entstehungsweise. Schmerzen treten typischerweise unterhalb der Kniescheibe auf und nehmen bei Kniebeugen, Treppensteigen und Sprüngen zu.

Achillessehne Die Achillessehne ist die stärkste Sehne des menschlichen Körpers und muss beim Gehen ein Vielfaches des Körpergewichts übertragen. Läufer, Fußballspieler und ältere Menschen sind häufig von einer Achillessehnentendinitis betroffen. Charakteristisch sind Schmerzen und Steifigkeit am Sehnenansatz an der Ferse oder im mittleren Sehnenabschnitt. Eine unbehandelte Achillessehnentendinitis erhöht das Risiko eines Sehnenrisses erheblich.

Handgelenk und Finger Die Tendovaginitis de Quervain ist eine Sehnenscheidenentzündung im Bereich des Daumens und Handgelenks, die besonders junge Mütter (durch das häufige Hochheben von Säuglingen) und Menschen mit intensiver Handnutzung betrifft. Schmerzen treten bei Bewegungen des Daumens und beim Greifen auf. Auch Fingersehnenentzündungen durch übermäßige Smartphone-Nutzung werden zunehmend häufiger beobachtet.

Hüfte und Becken Sehnenentzündungen im Hüftbereich, insbesondere an den Abduktorensehnen oder dem Tractus iliotibialis, betreffen häufig Läufer und ältere Menschen. Schmerzen an der Außenseite der Hüfte oder des Oberschenkels, die beim Treppensteigen oder längerem Gehen zunehmen, können auf eine solche Tendinitis hinweisen.

Fußsohle – Plantarfasziitis Obwohl die Plantarfasziitis streng genommen keine Sehnenentzündung, sondern eine Entzündung der Plantarfaszie ist, wird sie häufig im Kontext der Tendinitis besprochen. Stechende Fersenschmerzen besonders beim ersten Auftreten am Morgen sind typisch. Übergewicht, flaches Schuhwerk und Laufsport zählen zu den Risikofaktoren.

Zusammenhang mit anderen Beschwerden

Es ist nicht ungewöhnlich, dass Tendinitis-Beschwerden im Zusammenhang mit anderen Erkrankungen des Bewegungsapparats stehen. Menschen, die an Arthrose leiden, entwickeln aufgrund veränderter Gelenkmechanik und Fehlbelastungen häufiger Sehnenentzündungen. Auch Rückenschmerzen wie Lumbago können durch veränderte Körperhaltung und Gangbild die Belastung auf Sehnen der unteren Extremitäten ungünstig beeinflussen. Ein ganzheitlicher Blick auf den Bewegungsapparat ist daher bei der Diagnose und Behandlung wichtig.

Wann sollte man bei Tendinitis einen Arzt aufsuchen?

Alarmsignale ernst nehmen

Nicht jede leichte Sehnenreizung erfordert sofort einen Arztbesuch. Wer nach ungewohnter körperlicher Aktivität einen leichten Muskelkater-ähnlichen Schmerz in einer Sehne verspürt, der nach ein bis zwei Tagen Ruhe deutlich nachlässt, kann zunächst abwarten und die betroffene Region schonen. Wenn die Beschwerden jedoch über diesen Zeitraum hinaus andauern, an Intensität zunehmen oder sich auf den Alltag auswirken, ist eine ärztliche Abklärung dringend empfohlen.

Diese Warnsignale erfordern ärztliche Abklärung

  • Schmerzdauer über 1–2 Wochen ohne erkennbare Besserung trotz Schonung und einfacher Hausmittel
  • Starke, plötzlich einsetzende Schmerzen nach einer Bewegung oder einem Unfall, die auf einen Sehnenriss hinweisen könnten
  • Deutlich sichtbare Schwellung oder ausgeprägte Rötung im Bereich der betroffenen Sehne
  • Starke Überwärmung des betroffenen Bereichs, die auf eine akute Entzündung oder Infektion hindeuten kann
  • Vollständiger oder deutlicher Kraft- und Funktionsverlust im betroffenen Körperbereich
  • Ruheschmerzen und nächtliche Schmerzen, die den Schlaf stören
  • Kein erkennbarer Auslöser für die Sehnenbeschwerden – spontan auftretende Sehnenprobleme können auf Grunderkrankungen hinweisen
  • Fieber, allgemeines Krankheitsgefühl oder systemische Symptome begleitend zu den Sehnenschmerzen
  • Vorbekannte rheumatische Erkrankung, da Schübe häufig auch die Sehnen betreffen
  • Ausbleibende Besserung nach Selbstbehandlung mit Kühlung, Schonung und rezeptfreien Schmerzmitteln
  • Beschwerden, die sich unter Belastung deutlich verschlechtern und eine normale Alltagsaktivität unmöglich machen
  • Verdacht auf Sehnenriss – zum Beispiel wenn ein lautes Knacken oder Reißen verspürt wurde

Welcher Arzt ist der richtige Ansprechpartner?

In der Regel ist ein Orthopäde oder Unfallchirurg der geeignete erste Ansprechpartner bei Sehnenbeschwerden. Diese Fachärzte verfügen über die notwendige Expertise und die diagnostischen Mittel (Ultraschall, MRT), um eine Tendinitis sicher zu diagnostizieren und von anderen Erkrankungen abzugrenzen. Bei Verdacht auf eine rheumatische Grunderkrankung sollte zusätzlich ein Rheumatologe hinzugezogen werden.

Für Menschen, die ohnehin in hausärztlicher Betreuung sind, kann der Hausarzt eine erste Einschätzung vornehmen und bei Bedarf eine Überweisung ausstellen. Physiotherapeuten können zwar die Behandlung begleiten, ersetzen aber nicht die ärztliche Diagnose. Insbesondere bei unklaren Beschwerden, bei Verdacht auf Sehnenriss oder bei Beschwerden, die mit systemischen Symptomen einhergehen, ist der direkte Weg zum Facharzt oder notfalls in eine orthopädische Notaufnahme richtig.

Bitte beachten Sie: Die Informationen in diesem Artikel ersetzen keine individuelle ärztliche Diagnose. Bei Unsicherheit oder anhaltenden Beschwerden sollten Sie immer einen Arzt aufsuchen.

Diagnose der Tendinitis

Wie wird eine Sehnenentzündung festgestellt?

Die Diagnose einer Tendinitis beginnt in aller Regel mit einem ausführlichen Gespräch zwischen Arzt und Patient – der sogenannten Anamnese. Der Arzt erkundigt sich nach dem genauen Charakter der Schmerzen, dem zeitlichen Verlauf, möglichen Auslösern wie sportlichen Aktivitäten oder beruflichen Belastungen, Begleiterkrankungen und bisher eingenommenen Medikamenten. Diese Informationen sind häufig bereits wegweisend für die Diagnose.

Im Anschluss folgt die körperliche Untersuchung. Der Arzt betastet (palpiert) die betroffene Region, um Druckschmerzhaftigkeit, Schwellung und Überwärmung zu beurteilen. Spezifische Provokationstests helfen dabei, die betroffene Sehne gezielt zu belasten und die Diagnose einzugrenzen. Beim Tennisarm etwa wird der sogenannte Thomsen-Test angewandt – das Strecken des Handgelenks gegen Widerstand provoziert den charakteristischen Schmerz am Außenknorren. Für die Achillessehne gibt es den Thompson-Test, der einen Sehnenriss ausschließen kann.

Bildgebende Verfahren

In vielen Fällen reichen Anamnese und klinische Untersuchung für eine zuverlässige Diagnose aus. Wenn Unklarheiten bestehen oder die Beschwerden ungewöhnlich schwer oder langanhaltend sind, kommen bildgebende Verfahren zum Einsatz:

  • Ultraschall (Sonographie): Das am häufigsten eingesetzte bildgebende Verfahren bei Sehnenproblemen. Es ist kostengünstig, strahlungsfrei, schnell verfügbar und ermöglicht die dynamische Beurteilung der Sehne in Bewegung. Verdickungen, Strukturveränderungen, Flüssigkeitsansammlungen und Kalkeinlagerungen lassen sich gut darstellen.
  • Magnetresonanztomographie (MRT): Das MRT liefert detailliertere Bilder des Sehnengewebes und der umgebenden Strukturen. Es ist besonders hilfreich bei komplexen Fällen, tiefer gelegenen Sehnen oder wenn ein Sehnenriss vermutet wird. Das MRT ist teurer und aufwändiger als der Ultraschall, aber strahlungsfrei.
  • Röntgen: Sehnengewebe ist auf Röntgenbildern nicht direkt sichtbar. Röntgenaufnahmen dienen jedoch dazu, knöcherne Veränderungen, Kalkeinlagerungen (Kalkschulter) und Arthroseveränderungen auszuschließen.
  • CT (Computertomographie): Seltener eingesetzt, kann aber bei komplexen Knochen-Sehnen-Problemen hilfreich sein.

Labordiagnostik

In bestimmten Fällen – vor allem wenn eine rheumatische Grunderkrankung, eine Stoffwechselstörung oder eine infektiöse Ursache vermutet wird – werden Blutuntersuchungen angeordnet. Entzündungsparameter wie das C-reaktive Protein (CRP) und die Blutsenkungsgeschwindigkeit (BSG) können erhöht sein, sind aber für die Tendinitis nicht spezifisch. Rheumafaktoren, Anti-CCP-Antikörper, Harnsäure und Blutzuckerwerte können weitere Hinweise liefern.

Die Diagnose „Tendinitis" ist letztlich eine klinische Diagnose, die auf der Gesamtschau aller erhobenen Befunde beruht. Eine enge Zusammenarbeit zwischen Patient und Arzt – einschließlich ehrlicher Informationen über Belastungsgewohnheiten, Sportaktivitäten und Beruf – ist für eine genaue Diagnose entscheidend. Erst auf Basis einer gesicherten Diagnose können gezielte Behandlungsmaßnahmen eingeleitet werden.

Behandlung der Tendinitis

Ziele und Grundprinzipien der Therapie

Die Behandlung einer Tendinitis verfolgt im Wesentlichen drei Ziele: erstens die Linderung der akuten Beschwerden, zweitens die Förderung der Gewebeheilung und drittens die Vorbeugung eines Rückfalls. Die Therapie richtet sich nach dem Schweregrad der Entzündung, der betroffenen Sehne, dem individuellen Aktivitätsniveau des Patienten und möglichen Grunderkrankungen. Es gibt keine „Einheitstherapie" – ein auf den Einzelfall abgestimmter Behandlungsplan ist entscheidend für den Behandlungserfolg.

In der akuten Phase steht die Schonung der betroffenen Sehne an erster Stelle. Das bedeutet nicht zwingend vollständige Bettruhe, sondern eine gezielte Reduktion der auslösenden Belastung. Völlige Immobilität kann die Heilung sogar verlangsamen, da Sehnengewebe auf moderate mechanische Reize angewiesen ist, um sich zu regenerieren. Der Grundsatz lautet: relative Ruhe statt absoluter Schonung.

Konservative Behandlungsmethoden

Physiotherapie und gezielte Übungstherapie Die Physiotherapie ist der Eckpfeiler der Tendinitis-Behandlung. Besonders wissenschaftlich gut belegt sind exzentrische Übungsprogramme, bei denen der Muskel während der Verlängerung Kraft aufbaut. Für die Achillessehne ist das Alfredson-Protokoll ein anerkannter Standard: Wadensenkungen über eine Treppenstufe über mehrere Wochen können die Sehnenstruktur nachweislich verbessern. Physiotherapeuten entwickeln individuelle Programme, die schrittweise an die Belastbarkeit der Sehne angepasst werden.

Medikamentöse Behandlung Nicht-steroidale Antirheumatika (NSAIDs) wie Ibuprofen oder Diclofenac können in der akuten Phase entzündungshemmend und schmerzlindernd wirken – als Tabletten, Kapseln oder als topische Gels, die direkt auf die betroffene Stelle aufgetragen werden. Topische Präparate haben den Vorteil geringerer systemischer Nebenwirkungen. Die Einnahme sollte jedoch stets nach ärztlicher Empfehlung und möglichst zeitlich begrenzt erfolgen.

Kortisoninjektionen In bestimmten Fällen kann eine Injektion eines Kortikosteroids (z. B. Triamcinolon) in die unmittelbare Umgebung der betroffenen Sehne eine rasche Schmerzlinderung bewirken. Diese Methode ist besonders bei hartnäckigen Tendinitiden wirksam, sollte aber zurückhaltend eingesetzt werden, da wiederholte Injektionen die Sehnenstruktur schwächen können. Direkte Injektionen in die Sehne selbst werden in der Regel vermieden.

Stoßwellentherapie (ESWT) Die extrakorporale Stoßwellentherapie wird vor allem bei chronischen Tendinopathien und Kalkschulter eingesetzt. Energiereiche Schallwellen werden von außen auf die betroffene Region gerichtet und sollen die Durchblutung fördern sowie Heilungsprozesse anregen. Mehrere Studien zeigen gute Ergebnisse, besonders bei Achillessehnen- und Patellasehnentendinitis sowie bei der Plantarfasziitis. Die Therapie ist in der Regel gut verträglich.

Orthesen, Bandagen und Taping Funktionelle Bandagen und Orthesen können die betroffene Sehne entlasten und stabilisieren. Beim Tennisarm hilft eine Epicondylitisbandage, beim Läuferknie ein Kniebandage, bei der Achillessehne können spezielle Einlagen die Ferse anheben und die Sehne entlasten. Das kinesiologische Taping wird ergänzend eingesetzt, obwohl die wissenschaftliche Evidenz hierfür noch begrenzt ist.

Weitere spezialisierte Verfahren

  • PRP-Therapie (Platelet-Rich Plasma): Eigenblut-Injektionen mit konzentrierten Wachstumsfaktoren werden zur Sehnenregeneration eingesetzt. Die Evidenz ist vielversprechend, aber noch nicht abschließend gesichert.
  • Lasertherapie: Niedrigintensive Laserstrahlung soll entzündungshemmend wirken; die Datenlage ist noch uneinheitlich.
  • Elektrotherapie: Ultraschall- und TENS-Therapie können begleitend eingesetzt werden.

Operative Behandlung

In seltenen Fällen – wenn konservative Maßnahmen über 6–12 Monate erfolglos geblieben sind oder strukturelle Schäden vorliegen – kann ein operativer Eingriff erwogen werden. Dabei werden degeneriertes Sehnengewebe entfernt, Kalkdepots abgetragen oder gerissene Sehnenanteile genäht. Moderne minimal-invasive Verfahren ermöglichen oft eine schnelle Erholung. Die Entscheidung zur Operation trifft der Arzt gemeinsam mit dem Patienten nach eingehender Abwägung. Umfassende Informationen zu allgemeinen Behandlungsoptionen finden Sie in unserem Behandlungs-Ratgeber.

Hausmittel und Selbstmaßnahmen bei Tendinitis

Was Sie selbst tun können

Neben der professionellen medizinischen Behandlung gibt es eine Reihe von Hausmitteln und Selbstmaßnahmen, die bei leichten bis mittelschweren Sehnenbeschwerden unterstützend wirken können. Diese Maßnahmen ersetzen keinen Arztbesuch bei anhaltenden oder schweren Beschwerden, können aber die Heilung fördern und Beschwerden lindern.

Die RICE-Methode – bewährt und einfach

Die RICE-Methode ist das klassische Erste-Hilfe-Schema bei akuten Sehnenentzündungen und muskuloskelettalen Verletzungen:

  • R – Rest (Ruhe): Betroffene Sehne schonen und auslösende Belastungen vermeiden
  • I – Ice (Kühlung): Kühlung der betroffenen Region mit einem Eisbeutel oder Kühlkissen für 15–20 Minuten, mehrmals täglich. Immer ein Tuch zwischen Eis und Haut legen, um Kälteschäden zu vermeiden.
  • C – Compression (Kompression): Eine elastische Bandage kann Schwellungen reduzieren
  • E – Elevation (Hochlagerung): Das betroffene Körperteil hochlagern, soweit möglich, um den Blutabfluss zu fördern

In neueren Empfehlungen wird RICE durch das PEACE & LOVE-Prinzip ergänzt, das unter anderem die frühzeitige Wiederaufnahme von Bewegung (optimale Belastung statt vollständige Schonung) und psychologische Faktoren berücksichtigt.

Weitere hilfreiche Selbstmaßnahmen

  • Sanfte Dehnübungen: Regelmäßiges, vorsichtiges Dehnen der betroffenen Muskel-Sehnen-Einheit kann die Heilung fördern und Verkürzungen vorbeugen. Die Dehnung sollte schmerzfrei sein.
  • Wärmeanwendung in der chronischen Phase: Während Kälte bei akuter Entzündung hilft, kann Wärme in der subakuten und chronischen Phase (ab ca. 48–72 Stunden nach dem Akutereignis) die Durchblutung fördern und Verspannungen lösen.
  • Schutzmaßnahmen am Arbeitsplatz: Ergonomische Anpassungen des Arbeitsplatzes, regelmäßige Pausen und Bewegungswechsel können die Heilung unterstützen und Rückfälle verhindern.
  • Schuhwerk überprüfen: Bei Sehnenprobleme an Fuß, Knöchel und Knie sollte das verwendete Schuhwerk auf ausreichende Dämpfung und Unterstützung überprüft werden.
  • Körpergewicht normalisieren: Übergewicht erhöht die Belastung auf Sehnen, Bänder und Gelenke. Eine Gewichtsreduktion kann die Beschwerden langfristig lindern.
  • Taping: Kinesiologisches Taping kann begleitend eingesetzt werden, um die betroffene Region zu unterstützen und zu entlasten – am besten in Absprache mit einem Physiotherapeuten.
  • Entzündungshemmende Ernährung: Eine Ernährung, die reich an Omega-3-Fettsäuren (fetter Fisch, Leinöl), Antioxidantien (Obst, Gemüse) und Vitamin C (wichtig für Kollagenbildung) ist, wird diskutiert. Wissenschaftlich ist die Datenlage begrenzt, aber eine gesunde Ernährung schadet in jedem Fall nicht.
  • Ausreichend Schlaf und Erholung: Sehnengewebe regeneriert sich überwiegend in Ruhephasen. Ausreichend Schlaf und bewusste Erholungszeiten zwischen Belastungseinheiten sind wichtig.
  • Belastung schrittweise steigern: Nach einer Ruhephase sollte die Belastung langsam und systematisch gesteigert werden, um einen Rückfall zu vermeiden. Experten empfehlen eine Steigerungsrate von maximal 10 % pro Woche im Ausdauersport.

Was Sie vermeiden sollten

  • Keine forcierte Massagen direkt auf der entzündeten Sehne in der akuten Phase
  • Kein Einreiben mit stark reizenden Substanzen ohne ärztliche Empfehlung
  • Keine vollständige Sportpause über Monate, wenn nicht medizinisch notwendig – Alternativen wie Schwimmen oder Radfahren können den Erhalt der Fitness ermöglichen
  • Keine Selbstmedikation über Wochen ohne ärztliche Abklärung

Zusammenfassung: Das Wichtigste zur Tendinitis

Überblick über das Krankheitsbild

Die Tendinitis ist eine der häufigsten Beschwerden des Bewegungsapparats und betrifft Menschen aller Altersgruppen, besonders aber aktive Erwachsene zwischen 30 und 60 Jahren. Sie entsteht typischerweise durch chronische Überlastung, repetitive Bewegungsmuster und unzureichende Erholungszeiten – seltener durch direkte Verletzungen oder systemische Erkrankungen. Wer die charakteristischen Symptome wie lokalisierten Sehnenschmerz, Anlaufschmerz, Druckempfindlichkeit und Bewegungseinschränkung kennt, kann früh handeln und einem chronischen Verlauf entgegenwirken.

Die wichtigsten Kernaussagen auf einen Blick

  • Tendinitis ist eine entzündliche Reizung von Sehnengewebe, die durch Überlastung, Fehlbelastung oder systemische Erkrankungen entstehen kann
  • Die häufigsten Lokalisationen sind Schulter (Rotatorenmanschette), Ellenbogen (Tennis-/Golferarm), Knie (Patellasehne), Achillessehne und Handgelenk
  • Typische Symptome umfassen Belastungsschmerz, Anlaufschmerz, Druckempfindlichkeit, Schwellung und Bewegungseinschränkung
  • Bei Beschwerden über mehr als 1–2 Wochen, starken Schmerzen, Verdacht auf Sehnenriss oder Begleiterkrankungen sollte ein Arzt aufgesucht werden
  • Die Diagnose erfolgt durch Anamnese, klinische Untersuchung und bei Bedarf Ultraschall oder MRT
  • Die Behandlung umfasst Physiotherapie (insbesondere exzentrische Übungen), Schonung, physikalische Therapie, Medikamente und in Sonderfällen Injektionen oder Operationen
  • Hausmittel wie die RICE-Methode, sanfte Dehnübungen und ergonomische Anpassungen unterstützen die Heilung
  • Chronische Verläufe sind vermeidbar, wenn frühzeitig und konsequent behandelt wird
  • Risikofaktoren wie Übergewicht, falsche Technik, ungeeignetes Schuhwerk und mangelnde Aufwärmung können gezielt minimiert werden

Prävention als langfristige Strategie

Die gute Nachricht: Tendinitis ist in vielen Fällen eine gut behandelbare Erkrankung, und mit den richtigen Präventionsmaßnahmen lässt sich das Rückfallrisiko deutlich senken. Regelmäßiges Aufwärmen vor körperlicher Aktivität, ein schrittweiser Belastungsaufbau, ausgewogenes Training mit ausreichenden Ruhezeiten und die Aufmerksamkeit für erste Warnsignale sind die wichtigsten Bausteine der Prävention.

Menschen, die bereits Beschwerden am Bewegungsapparat kennen – sei es durch Arthrose, rheumatische Erkrankungen oder wiederkehrende Gelenkschmerzen – sollten besonders auf die Gesundheit ihrer Sehnen achten und bei neuen Beschwerden zeitnah ärztlichen Rat einholen. Gut informierte Patienten, die im Dialog mit ihrem Arzt und Physiotherapeuten die richtige Behandlungsstrategie entwickeln, haben die besten Voraussetzungen für eine vollständige Erholung.

Medizinischer Hinweis

Die Informationen auf dieser Seite dienen ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzen keine persönliche Beratung, Untersuchung oder Diagnose durch einen approbierten Arzt oder Orthopäden. Bei gesundheitlichen Beschwerden konsultieren Sie bitte immer einen Facharzt.

📚Wissenschaftliche Quellen

Die folgenden externen Quellen dienen als Grundlage für die in diesem Artikel präsentierten Informationen:

Hinweis: Externe Links sind mit rel="nofollow" gekennzeichnet und führen zu unabhängigen Quellen außerhalb unserer Kontrolle.