Arthrose Knie

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Arthrose im Knie: Was steckt hinter dem häufigsten Gelenkleiden?

Stellen Sie sich vor, jeder zweite Schritt schmerzt – beim Treppensteigen, beim Aufstehen vom Stuhl oder beim morgendlichen ersten Gang zur Küche. Für Millionen Menschen in Deutschland ist das Alltag. Die Gonarthrose, also die Arthrose des Kniegelenks, ist eine der häufigsten chronischen Gelenkerkrankungen überhaupt. Schätzungen zufolge sind in Deutschland mehr als fünf Millionen Menschen von klinisch relevanter Kniearthrose betroffen – und die Tendenz ist steigend, nicht zuletzt wegen des demografischen Wandels und zunehmender Übergewichtigkeit in der Bevölkerung.

Die Kniearthrose ist keine Erkrankung, die plötzlich „ausgebrochen" ist. Sie entwickelt sich über Jahre, manchmal Jahrzehnte hinweg, schleichend und zunächst oft unbemerkt. Was in der Frühphase als gelegentliches Ziehen oder morgendliche Steifigkeit abgetan wird, kann sich ohne geeignete Maßnahmen zu einem dauerhaften, belastenden Schmerzsyndrom entwickeln, das die Lebensqualität erheblich einschränkt. Die gute Nachricht: Mit dem richtigen Wissen über Ursachen, Verlauf und Behandlungsmöglichkeiten lässt sich viel tun, um die Beschwerden zu lindern und die Funktion des Kniegelenks möglichst lange zu erhalten.

Anatomisch betrachtet ist das Kniegelenk ein komplexes Konstrukt: Es ist das größte Gelenk des menschlichen Körpers und verbindet Oberschenkelknochen (Femur), Schienbein (Tibia) und Kniescheibe (Patella) miteinander. Stabilisiert wird es durch Bänder, Muskeln und zwei halbmondförmige Knorpelscheiben, die sogenannten Menisken. Der Gelenkknorpel, der die Knochenenden überzieht, ist dabei das Herzstück: Er ermöglicht ein reibungsarmes Gleiten der Gelenkflächen und dämpft Stöße ab. Bei der Arthrose wird genau dieser Knorpel nach und nach abgebaut – mit weitreichenden Folgen für das gesamte Gelenk.

Dieser Ratgeber erklärt ausführlich, wie eine Kniearthrose entsteht, welche Beschwerden typisch sind, wie die Diagnose gestellt wird und welche Behandlungsoptionen heute zur Verfügung stehen. Ziel ist es, Ihnen fundierte, sachliche Informationen an die Hand zu geben, damit Sie gemeinsam mit Ihrem Arzt die für Sie passenden Schritte planen können. Einen allgemeinen Überblick über Arthrose als Erkrankung finden Sie in unserem separaten Ratgeber.

Ursachen der Kniearthrose: Warum verschleißt der Knorpel?

Das Grundprinzip: Wenn Belastung und Regeneration aus dem Gleichgewicht geraten

Der Gelenkknorpel besitzt keine eigenen Blutgefäße und versorgt sich ausschließlich über die Gelenkflüssigkeit (Synovia). Nährstoffe werden durch Bewegung – sozusagen durch ein Pump-Prinzip – in den Knorpel hineingedrückt und Stoffwechselprodukte abtransportiert. Solange Belastung und Erholung im Gleichgewicht stehen und der Knorpel gesund ist, funktioniert dieses System hervorragend. Sobald dieses Gleichgewicht jedoch gestört wird – sei es durch zu hohe Belastung, schlechte Biomechanik, genetische Veranlagung oder altersbedingten Rückgang der Knorpelqualität – beginnt ein schleichender Abbauprozess.

Die Arthrose des Kniegelenks wird medizinisch in zwei große Kategorien eingeteilt: die primäre Gonarthrose entsteht ohne erkennbare spezifische Ursache und gilt als „idiopathisch". Sie ist eng mit Alter, genetischer Veranlagung und dem allgemeinen Verschleiß assoziiert. Die sekundäre Gonarthrose hingegen hat eine klar identifizierbare Ursache, zum Beispiel eine frühere Verletzung, eine Fehlstellung oder eine entzündliche Erkrankung. In der Praxis überschneiden sich beide Formen häufig.

Die wichtigsten Risikofaktoren im Überblick

  • Lebensalter: Das Risiko steigt mit dem Alter deutlich an. Über 60-Jährige sind besonders häufig betroffen, da Knorpelzellen mit zunehmendem Alter langsamer regenerieren und die Knorpelmatrix an Qualität verliert.
  • Übergewicht und Adipositas: Jedes zusätzliche Kilogramm Körpergewicht belastet das Kniegelenk beim Gehen mit dem Drei- bis Sechsfachen. Übergewicht ist einer der am besten belegten veränderbaren Risikofaktoren für die Entstehung und das Fortschreiten der Kniearthrose.
  • Weibliches Geschlecht: Frauen erkranken häufiger und in der Regel schwerer an Kniearthrose als Männer, besonders nach der Menopause. Hormonelle Einflüsse, insbesondere der Rückgang von Östrogen, spielen dabei offenbar eine Rolle.
  • Genetische Veranlagung: Eine familiäre Häufung von Arthrose ist gut dokumentiert. Bestimmte genetische Varianten beeinflussen die Knorpelstruktur und die Entzündungsneigung des Gewebes.
  • Gelenkfehlstellungen: Eine Varusdeformität (O-Beine) oder eine Valgusdeformität (X-Beine) verteilt die Last im Kniegelenk ungleichmäßig und führt zu lokalem Überbelastungsschaden am Knorpel.
  • Frühere Knieverletzungen: Kreuzbandrisse, Meniskusschäden, Knochenbrüche im Gelenkbereich oder Kniescheibenverletzungen erhöhen das Arthroserisiko erheblich – auch wenn die ursprüngliche Verletzung gut behandelt wurde.
  • Berufliche und sportliche Belastung: Berufe mit häufigem Knien, Hocken oder schwerem Heben (z. B. Fliesenleger, Maler, Landwirte) sowie bestimmte Hochleistungssportarten können das Arthroserisiko steigern.
  • Muskelschwäche: Insbesondere eine Schwäche der Oberschenkelmuskulatur (Quadrizeps) erhöht die Gelenkbelastung, da die Muskeln als wichtige Stoßdämpfer fungieren.
  • Entzündliche Gelenkerkrankungen: Rheumatoide Arthritis, Gicht oder Psoriasisarthritis können sekundär eine Arthrose begünstigen, indem sie den Knorpel durch chronische Entzündungsprozesse schädigen.
  • Stoffwechselerkrankungen: Diabetes mellitus, erhöhte Harnsäurewerte oder Hämochromatose sind mit einem erhöhten Arthroserisiko assoziiert.

Ein häufiges Szenario ist, dass mehrere dieser Faktoren zusammenkommen. Ein übergewichtiger, beruflich kniebelasteter Mann Mitte 50 mit einem früheren Meniskusschaden trägt ein besonders hohes Risiko, deutlich früher als der Durchschnitt eine fortgeschrittene Kniearthrose zu entwickeln.

Wichtig zu wissen: Arthrose ist keine rein mechanische Abnutzung. Neuere Forschungsergebnisse zeigen, dass auch niedriggradige Entzündungsprozesse im Gelenk eine zentrale Rolle beim Knorpelabbau spielen. Die Gelenkinnenhaut (Synovialis) reagiert auf Knorpelfragmente und produziert entzündungsfördernde Botenstoffe, die den Abbau weiter beschleunigen können.

Symptome der Kniearthrose: Von ersten Warnzeichen bis zum fortgeschrittenen Stadium

Typische Beschwerden – und was sie im Körper bedeuten

Die Symptome der Kniearthrose sind vielschichtig und verändern sich im Laufe der Erkrankung. In der Frühphase sind die Beschwerden oft noch mild und werden von vielen Betroffenen als normale „Alterserscheinung" abgetan. Mit fortschreitendem Knorpelverlust nehmen Intensität und Häufigkeit der Beschwerden jedoch typischerweise zu. Ein gutes Verständnis der typischen Symptome hilft, die Erkrankung früh zu erkennen und rechtzeitig zu handeln. Weitere allgemeine Hinweise finden Sie auch auf unserer Seite zu Arthrose-Symptomen.

Das Leitsymptom der Kniearthrose ist der belastungsabhängige Schmerz. Charakteristisch ist, dass der Schmerz anfangs besonders bei Belastung auftritt – zum Beispiel beim Treppensteigen, beim Aufstehen nach langem Sitzen oder beim Bergabgehen – und sich in Ruhe bessert. Im fortgeschrittenen Stadium können Ruheschmerzen und sogar Nachtschmerzen auftreten, was auf eine ausgeprägte Entzündungskomponente oder bereits knöcherne Veränderungen hindeutet.

Das Phänomen des Anlaufschmerzes

Viele Betroffene erleben den sogenannten Anlaufschmerz: Nach dem Aufwachen oder nach längerem Sitzen schmerzt das Knie beim ersten Aufstehen und bei den ersten Schritten besonders stark. Nach einigen Minuten Bewegung lässt dieser Schmerz häufig nach – das Gelenk „läuft sich warm". Dieses Phänomen ist ein klassisches Frühzeichen der Arthrose und entsteht, weil die Gelenkflüssigkeit nach Ruhephasen noch nicht gleichmäßig verteilt ist und der verbleibende Knorpel anfangs unzureichend geschmiert wird.

Alle typischen Symptome im Überblick

  • Belastungsabhängiger Knieschmerz: Schmerzen bei Treppensteigen, langem Gehen, Hocken oder Knien – oft beidseitig, aber häufig auf einer Seite dominierend.
  • Anlaufschmerz: Schmerz und Steifigkeit nach Ruhe, die sich nach einigen Minuten Bewegung bessern.
  • Morgensteifigkeit: Das Knie fühlt sich nach dem Aufwachen steif und schwer beweglich an; diese Steifigkeit dauert bei Arthrose typischerweise weniger als 30 Minuten (im Gegensatz zur rheumatoiden Arthritis, wo sie oft länger anhält).
  • Schwellung des Kniegelenks: Ein entzündlicher Gelenkerguss kann das Knie deutlich anschwellen lassen. Das Gelenk fühlt sich warm und prall an.
  • Krepitation (Knack- und Reibegeräusche): Beim Beugen und Strecken des Knies sind manchmal Knackgeräusche oder ein Reiben zu spüren oder zu hören – verursacht durch unebene Knorpeloberflächen oder freie Gelenkkörper.
  • Eingeschränkte Beweglichkeit: Das vollständige Beugen und Strecken des Knies wird zunehmend schwieriger und schmerzhaft.
  • Muskelschwäche und -atrophie: Durch Schonhaltung und Schmerzvermeidung baut die umgebende Muskulatur, insbesondere der Quadrizeps, ab – was die Instabilität des Gelenks weiter verstärkt.
  • Instabilitätsgefühl: Das Knie fühlt sich „wackelig" oder unsicher an, besonders beim Treppensteigen oder auf unebenem Untergrund.
  • Lokale Druckschmerzhaftigkeit: An bestimmten Punkten am Knie, z. B. am inneren oder äußeren Gelenkspalt, reagiert das Gelenk auf Druck mit Schmerz.
  • Ruheschmerz und Nachtschmerz: Diese treten erst in fortgeschrittenen Stadien auf und sind ein Zeichen für erhebliche strukturelle Veränderungen oder ausgeprägte Entzündung.
StadiumTypische SymptomeRadiologische Zeichen
Frühstadium (Grad I)Gelegentlicher Anlaufschmerz, leichte SteifigkeitMinimale Gelenkspaltverschmälerung, vereinzelte Osteophyten
Mittleres Stadium (Grad II–III)Belastungsschmerz, Schwellung, eingeschränkte BeweglichkeitDeutliche Gelenkspaltverschmälerung, subchondrale Sklerose, multiple Osteophyten
Fortgeschrittenes Stadium (Grad IV)Ruheschmerz, Nachtschmerz, ausgeprägte FehlstellungAufgehobener Gelenkspalt, Geröllzysten, Knochendeformation

Lokalisation: Welche Bereiche des Kniegelenks sind betroffen?

Das Kniegelenk besteht aus drei Kompartimenten

Das Kniegelenk ist anatomisch in drei Teilbereiche, sogenannte Kompartimente, unterteilt: das mediale Kompartiment (innerer Gelenkbereich zwischen Innenmeniskus und medialem Femurkondylus), das laterale Kompartiment (äußerer Gelenkbereich) und das femoropatellare Kompartiment (zwischen Kniescheibe und Oberschenkelknochen). Die Arthrose kann eines, zwei oder alle drei Kompartimente gleichzeitig betreffen – mit jeweils charakteristischen Beschwerdemustern.

Am häufigsten ist das mediale Kompartiment betroffen. Das liegt anatomisch nahe, weil auf die innere Seite des Kniegelenks beim normalen Gang etwa 60–70 % der Gesamtlast entfällt. Eine mediale Gonarthrose äußert sich typischerweise durch Schmerzen an der Innenseite des Knies, häufig verbunden mit einer O-Bein-Fehlstellung (Varus), die den Druck auf die Innenseite weiter verstärkt.

Innenseitige, außenseitige und Kniescheiben-Arthrose im Vergleich

Die laterale Gonarthrose (außenseitige Kniearthrose) ist seltener und tritt häufiger bei Menschen mit X-Bein-Stellung (Valgus) auf. Schmerzen entstehen hier typischerweise an der Außenseite des Knies, besonders beim Bergabgehen oder bei Drehbewegungen. Die femoropatellare Arthrose (Kniescheibenarthrose, auch Retropatellararthrose genannt) macht sich besonders beim Treppensteigen, beim langen Sitzen mit gebeugten Knien oder beim Aufstehen bemerkbar. Viele Betroffene berichten von einem typischen Schmerz hinter der Kniescheibe.

Nicht selten findet sich eine Pangonarthrose, bei der alle drei Kompartimente gleichmäßig oder unterschiedlich stark betroffen sind. Diese Form geht oft mit einer ausgeprägten Einschränkung der Kniefunktion einher und ist häufig Anlass für weiterführende therapeutische Überlegungen, einschließlich chirurgischer Optionen.

Die genaue Lokalisation der Arthrose ist für die Behandlung wichtig: So kann zum Beispiel eine Knieschienen-Orthese gezielt das überbelastete mediale Kompartiment entlasten, oder eine Umstellungsosteotomie die Beinachse korrigieren, um die Last vom erkrankten auf das gesündere Kompartiment umzulenken. Umfassende Informationen zu verschiedenen Kniebeschwerden finden Sie in unserem Knieschmerzen-Ratgeber.

Wann sollten Sie einen Arzt aufsuchen?

Warnsignale, die Sie ernst nehmen sollten

Nicht jeder Knieschmerz bedeutet sofort eine behandlungsbedürftige Arthrose, und nicht jeder Arztbesuch muss in einer aufwendigen Therapie enden. Dennoch gibt es eine Reihe von Situationen, in denen eine ärztliche Abklärung dringend empfohlen wird. Frühzeitiges Handeln kann den Verlauf der Erkrankung positiv beeinflussen und langfristige Schäden verhindern oder zumindest verlangsamen.

Suchen Sie einen Arzt auf, wenn Knieschmerzen länger als zwei bis vier Wochen anhalten und nicht auf einfache Maßnahmen wie Schonung, Kühlung und rezeptfreie Schmerzgels ansprechen. Auch wenn der Schmerz zunehmend intensiver wird oder wenn er Sie im Alltag deutlich einschränkt – beim Gehen, Treppensteigen oder bei der Arbeit – ist eine Untersuchung sinnvoll.

Konkrete Alarmzeichen, die schnelle Abklärung erfordern

  • Plötzliche, starke Schwellung des Kniegelenks, besonders wenn sie nach einem Unfall oder einer ungewöhnlichen Belastung auftritt – dies kann auf einen Gelenkerguss, einen Meniskusriss oder eine Verletzung des Kreuzbandes hinweisen.
  • Rötung und Überwärmung des Knies in Kombination mit Fieber – dies kann Zeichen einer bakteriellen Gelenkinfektion (septische Arthritis) sein, die eine sofortige ärztliche Behandlung erfordert.
  • Blockierung des Kniegelenks: Wenn das Knie plötzlich nicht mehr vollständig gestreckt oder gebeugt werden kann, kann ein freier Gelenkkörper (Gelenkmaus) die Ursache sein.
  • Nachtschmerzen oder Ruheschmerzen, die auf ein fortgeschrittenes Arthrosestadium oder eine entzündliche Komponente hindeuten können.
  • Zunehmende Fehlstellung des Beins, z. B. wenn sich ein O-Bein oder X-Bein über Monate deutlich verschlimmert.
  • Ausgeprägte Muskelschwäche oder Instabilitätsgefühl beim Gehen, das Stürze oder Verletzungen begünstigt.
  • Anhaltende Schmerzen bei jüngeren Menschen (unter 45 Jahren), da hier andere Ursachen wie entzündliche Gelenkerkrankungen, Osteochondrose oder sportliche Überlastungssyndrome ausgeschlossen werden müssen.

Als erste Anlaufstelle eignet sich der Hausarzt, der eine Basisuntersuchung durchführen und bei Bedarf an einen Orthopäden, Rheumatologen oder in eine orthopädische Fachklinik überweisen kann. In akuten Notfällen – besonders bei Verdacht auf Infektion, Fraktur oder Bandverletzung – sollte unmittelbar eine Notaufnahme aufgesucht werden. Zögern Sie nicht: Frühzeitig erkannte und behandelte Arthrose lässt sich deutlich besser beeinflussen als eine im fortgeschrittenen Stadium diagnostizierte.

Diagnose der Kniearthrose: Wie Ärzte die Erkrankung feststellen

Der Weg zur Diagnose: Anamnese, Untersuchung und Bildgebung

Die Diagnose einer Kniearthrose beruht auf einem Zusammenspiel aus Krankengeschichte (Anamnese), körperlicher Untersuchung und bildgebenden Verfahren. Kein einzelnes Verfahren ist allein ausreichend – erst die Gesamtschau aller Befunde ergibt ein vollständiges Bild. Ein erfahrener Orthopäde kann häufig bereits nach einem ausführlichen Gespräch und einer Untersuchung eine fundierte Einschätzung geben.

In der Anamnese erfragt der Arzt unter anderem: Seit wann bestehen die Schmerzen? Wo genau schmerzt das Knie? Bei welchen Tätigkeiten treten die Beschwerden auf und wann bessern sie sich? Gab es frühere Knieverletezungen, Operationen oder bekannte Erkrankungen? Bestehen ähnliche Beschwerden in anderen Gelenken? Familiäre Häufung von Gelenkerkrankungen? Diese Informationen sind entscheidend, um eine Arthrose von anderen Erkrankungen wie rheumatoider Arthritis, Gicht oder Sehnenerkrankungen abzugrenzen.

Körperliche Untersuchung: Was der Arzt prüft

Bei der körperlichen Untersuchung achtet der Arzt auf sichtbare Schwellungen, Rötungen oder Fehlstellungen des Kniegelenks. Er prüft die Beweglichkeit (Streckung und Beugung), sucht nach Druckschmerzhaftigkeit an typischen Punkten (Gelenkspalt, Kniescheibe), testet die Stabilität der Bänder und untersucht die umgebende Muskulatur auf Schwäche oder Atrophie. Charakteristische Tests wie das Zohlen-Zeichen (Schmerz beim Verschieben der Kniescheibe) oder der Meniskustest nach McMurray helfen, spezifische Strukturen zu beurteilen.

Bildgebende Verfahren im Detail

Das Röntgenbild (Radiographie) des Kniegelenks ist nach wie vor die wichtigste und erste bildgebende Untersuchung bei Verdacht auf Gonarthrose. Charakteristische Röntgenzeichen sind: Gelenkspaltverschmälerung, subchondrale Sklerose (Knochenverdichtung unter dem Knorpel), Osteophyten (knöcherne Ausziehungen am Gelenkrand) und Geröllzysten (kleine Hohlräume im Knochen). Der Schweregrad wird häufig nach der Kellgren-Lawrence-Skala (Grad 0–4) eingeteilt.

Die Magnetresonanztomographie (MRT) ermöglicht eine detaillierte Darstellung von Knorpel, Menisken, Bändern und Knochenmark, die im Röntgenbild nicht sichtbar sind. Sie wird eingesetzt, wenn die Röntgenbefunde nicht eindeutig sind, bei jüngeren Patienten, oder wenn eine begleitende Verletzung (z. B. Meniskusriss) vermutet wird. Der Ultraschall ist nützlich zur Beurteilung von Gelenkergüssen, Weichteilveränderungen und zur gezielten Steuerung von Injektionen.

Laboruntersuchungen spielen bei der primären Arthrose eine eher untergeordnete Rolle, sind aber wichtig, um entzündliche Erkrankungen wie rheumatoide Arthritis (Nachweis von Rheumafaktoren, Anti-CCP-Antikörpern) oder Gicht (Harnsäurewert im Blut) auszuschließen. Gelegentlich wird auch eine Gelenkpunktion (Punktion des Gelenks zur Analyse der Gelenkflüssigkeit) durchgeführt, zum Beispiel bei unklarem Erguss oder Verdacht auf Infektion.

Behandlung der Kniearthrose: Von konservativen Maßnahmen bis zur Operation

Das Stufenprinzip der Arthrose-Therapie

Die Behandlung der Kniearthrose orientiert sich am Schweregrad der Erkrankung, den individuellen Beschwerden und Einschränkungen sowie den persönlichen Präferenzen des Patienten. Nach aktuellen Leitlinien – insbesondere der deutschen S2e-Leitlinie Gonarthrose – wird ein abgestuftes Vorgehen empfohlen: Zunächst kommen konservative, nicht-operative Maßnahmen zum Einsatz; erst wenn diese ausgeschöpft sind und die Lebensqualität trotzdem stark beeinträchtigt bleibt, werden operative Verfahren in Betracht gezogen. Einen umfassenden Überblick zu Behandlungsansätzen finden Sie auch in unserem Behandlungs-Ratgeber.

Physikalische Therapie und Bewegung: Die Basis jeder Behandlung

Bewegungstherapie ist die am besten belegte nicht-medikamentöse Maßnahme bei Kniearthrose. Regelmäßige, gelenkschonende Bewegung stärkt die umgebende Muskulatur, verbessert die Gelenkernährung durch vermehrte Synovia-Produktion und reduziert nachweislich Schmerz und Steifigkeit. Besonders geeignet sind:

  • Radfahren (Ergometertraining, Fahrrad – flache Strecken bevorzugen)
  • Schwimmen und Aquajogging (Entlastung durch Auftrieb)
  • Gezieltes Krafttraining der Oberschenkel- und Hüftmuskulatur
  • Dehn- und Beweglichkeitsübungen zur Verbesserung der Gelenkbeweglichkeit
  • Tai-Chi und Yoga (verbessern Koordination, Gleichgewicht und Körperwahrnehmung)
  • Nordic Walking mit korrekt eingestellten Stöcken zur Entlastung der Kniegelenke

Physiotherapie mit gezielter Kräftigungstherapie, manueller Therapie und Gangschulungist oft ein wichtiger Baustein. Ein Physiotherapeut kann ein individuelles Übungsprogramm erstellen, das zu Hause fortgeführt werden kann. Physikalische Maßnahmen wie Wärme- oder Kältetherapie können ergänzend zur Schmerzlinderung eingesetzt werden – Kälte eher bei akuter Entzündung und Schwellung, Wärme eher bei chronischen Beschwerden ohne aktive Entzündung.

Gewichtsreduktion: Einer der wirksamsten Hebel

Bei Übergewicht ist eine Gewichtsreduktion eine der wirksamsten Maßnahmen zur Symptomlinderung und Verlangsamung des Knorpelabbaus. Studien zeigen, dass eine Gewichtsabnahme von bereits 5–10 % des Körpergewichts die Knieschmerzen und die Gehfähigkeit messbar verbessern kann. Neben der mechanischen Entlastung wirkt sich Gewichtsreduktion auch positiv auf entzündliche Prozesse im Körper aus, da Fettgewebe entzündungsfördernde Botenstoffe (Adipokine) produziert. Informationen zur ernährungsbedingten Unterstützung finden Sie in unserem Ratgeber zur Arthrose-Ernährung.

Medikamentöse Therapie im Überblick

Die medikamentöse Behandlung zielt in erster Linie auf die Schmerzlinderung und Entzündungshemmung ab. Folgende Substanzklassen werden eingesetzt:

  • Topische NSAR (nicht-steroidale Antirheumatika): Salben und Gele mit Diclofenac oder Ibuprofen wirken lokal entzündungshemmend und schmerzlindernd – bei vergleichsweise geringem systemischem Risiko.
  • Orale NSAR: Tabletten mit Ibuprofen, Naproxen oder Diclofenac wirken systemisch. Sie sind gut wirksam, sollten aber wegen möglicher Magenprobleme, Nieren- und Herzrisiken nur nach ärztlicher Absprache und möglichst kurzzeitig eingesetzt werden.
  • Paracetamol: Hat eine schwächere entzündungshemmende Wirkung, ist aber bei milden bis moderaten Schmerzen und Kontraindikationen gegen NSAR eine Option.
  • Intraartikuläre Kortikosteroide: Injektionen von Kortison direkt ins Kniegelenk wirken rasch und effektiv bei akuten Entzündungsschüben. Die Wirkung ist zeitlich begrenzt (einige Wochen); wiederholte Injektionen werden kritisch diskutiert.
  • Hyaluronsäure-Injektionen: Die Wirksamkeit ist wissenschaftlich umstritten; einige Patienten berichten von Linderung, die aktuellen Leitlinien bewerten den Effekt als moderat bis unsicher.
  • Duloxetin: Das Antidepressivum wird bei chronischen Schmerzen eingesetzt und kann auch bei arthrosebedingten Dauerschmerzen helfen, insbesondere wenn eine zentrale Schmerzverarbeitung eine Rolle spielt.
  • Symptomatic slow-acting drugs (SYSADOAs): Substanzen wie Glucosamin oder Chondroitin werden häufig eingesetzt; die Datenlage zur Wirksamkeit ist gemischt.

Hilfsmittel und orthopädische Versorgung

Orthesen und Einlagen können gezielt eingesetzt werden, um das betroffene Kompartiment des Kniegelenks zu entlasten. Eine Valgusorthese entlastet das innere (mediale) Kompartiment und kann bei medialer Gonarthrose mit Varusfehlstellung nachweislich den Schmerz reduzieren. Schuheinlagen können Beinachsfehlstellungen ausgleichen und damit die Gelenkbelastung günstig beeinflussen. Gehstöcke oder ein Gehstock (auf der gegenüberliegenden Seite des erkrankten Knies geführt) reduzieren die Gelenkbelastung beim Gehen erheblich.

Operative Verfahren: Wenn konservative Therapie nicht mehr ausreicht

Wenn trotz konsequenter konservativer Therapie über mindestens sechs Monate die Lebensqualität deutlich eingeschränkt bleibt, werden operative Maßnahmen diskutiert. Die wichtigsten sind:

  • Arthroskopie: Die Gelenkspiegelung ist bei Arthrose nur in spezifischen Situationen (z. B. freie Gelenkkörper, symptomatischer Meniskusschaden) sinnvoll. Als allgemeine Maßnahme bei Arthrose wird sie von den Leitlinien nicht mehr empfohlen.
  • Umstellungsosteotomie (HTO – High Tibial Osteotomy): Der Unterschenkelknochen wird gezielt durchtrennt und in einer korrigierten Achse wieder fixiert. Dadurch wird die Last von einem verschlissenen Kompartiment auf ein gesünderes verlagert. Diese Methode eignet sich besonders für jüngere, aktive Patienten mit einseitiger Kniearthrose und Beinachsfehlstellung.
  • Teilendoprothetik (Schlittenprothese): Nur das betroffene Kompartiment (meist das mediale) wird durch eine Prothese ersetzt. Weniger invasiv als der vollständige Gelenkersatz, mit guten Langzeitergebnissen bei richtiger Indikation.
  • Totale Knieendoprothetik (Knie-TEP): Der vollständige Ersatz der Gelenkoberflächen durch eine Kunstgelenkprothese ist die häufigste Operation bei fortgeschrittener Gonarthrose. In Deutschland werden jährlich mehr als 150.000 Knie-TEP-Operationen durchgeführt. Bei sorgfältiger Indikationsstellung und gutem Rehabilitationsverlauf sind die Ergebnisse in den meisten Fällen gut bis sehr gut – die meisten Patienten berichten von deutlich reduziertem Schmerz und verbesserter Mobilität.
Zu beachten: Die Entscheidung für eine Operation sollte immer sorgfältig abgewogen und gemeinsam mit dem behandelnden Arzt getroffen werden. Einflussfaktoren sind Alter, Allgemeingesundheit, Ausmaß des Leidensdrucks, körperliche Anforderungen und der Grad der strukturellen Veränderungen. Alle Behandlungsoptionen – konservativ und operativ – haben Vor- und Nachteile, die individuell besprochen werden müssen. Mehr zu Arthrose-Behandlung allgemein finden Sie in unserem Arthrose-Ratgeber.

Zusammenfassung: Das Wichtigste zur Kniearthrose auf einen Blick

Die Kniearthrose (Gonarthrose) ist eine der häufigsten chronischen Gelenkerkrankungen in Deutschland und betrifft Millionen von Menschen, besonders ab dem mittleren Erwachsenenalter. Sie entsteht durch einen fortschreitenden Abbau des Gelenkknorpels, begünstigt durch Faktoren wie Alter, Übergewicht, frühere Verletzungen, Fehlstellungen und genetische Veranlagung. Entzündungsprozesse spielen dabei eine bedeutende Rolle und beschleunigen den Knorpelverlust zusätzlich.

Typische Beschwerden sind belastungsabhängige Schmerzen, Anlaufschmerz, Morgensteifigkeit, Schwellung und eine zunehmende Einschränkung der Beweglichkeit. Die Diagnose wird durch Anamnese, körperliche Untersuchung und vor allem durch Röntgenaufnahmen gestellt; bei Bedarf ergänzt durch MRT oder Laboruntersuchungen zum Ausschluss anderer Erkrankungen.

Die Behandlung folgt einem abgestuften Prinzip: An erster Stelle stehen konservative Maßnahmen wie regelmäßige, gelenkschonende Bewegung, Physiotherapie, Gewichtsreduktion, Schmerzmedikamente und Hilfsmittel. Diese Maßnahmen können den Krankheitsverlauf günstig beeinflussen und die Lebensqualität deutlich verbessern. Operative Verfahren – von der Umstellungsosteotomie bis zur Knieendoprothetik – kommen erst dann in Betracht, wenn konservative Therapien ausgeschöpft sind.

Das Wichtigste ist, bei anhaltenden oder zunehmenden Kniebeschwerden frühzeitig ärztlichen Rat zu suchen. Eine früh erkannte und konsequent behandelte Arthrose lässt sich besser beeinflussen als eine lange ignorierte. Informieren Sie sich weiter auf unseren Seiten zu Arthrose allgemein und zu Knieschmerzen, um ein umfassendes Bild zu erhalten. Dieser Ratgeber ersetzt keine ärztliche Beratung und dient ausschließlich der allgemeinen Information.

Medizinischer Hinweis

Die Informationen auf dieser Seite dienen ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzen keine persönliche Beratung, Untersuchung oder Diagnose durch einen approbierten Arzt oder Orthopäden. Bei gesundheitlichen Beschwerden konsultieren Sie bitte immer einen Facharzt.

📚Wissenschaftliche Quellen

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