Sehnenscheidenentzündung: Symptome und Behandlung
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Einleitung
Ein stechender Schmerz im Handgelenk beim Tippen, ein unangenehmes Ziehen im Unterarm nach stundenlanger Arbeit am Computer, ein Knirschen, das sich anfühlt als würde Sand im Gelenk mahlen – Millionen Menschen kennen diese Beschwerden aus eigener Erfahrung. Was viele dabei nicht wissen: Häufig steckt keine ernsthafte Gelenkerkrankung dahinter, sondern eine Sehnenscheidenentzündung, medizinisch als Tendovaginitis bezeichnet. Diese weit verbreitete Erkrankung des Bewegungsapparats betrifft Menschen aller Altersgruppen und Berufsgruppen – vom Büroarbeiter über den Handwerker bis hin zum Leistungssportler.
Die Sehnenscheidenentzündung gilt als eine der häufigsten orthopädischen Beschwerden überhaupt. Schätzungen zufolge leidet in Deutschland jährlich ein beträchtlicher Anteil der Bevölkerung unter dieser Erkrankung, wobei besonders Menschen zwischen 30 und 50 Jahren betroffen sind. Trotz ihrer Häufigkeit wird die Erkrankung oft zunächst unterschätzt oder mit anderen Beschwerden verwechselt – mit potenziell problematischen Folgen, wenn die notwendige Schonung ausbleibt und sich die Entzündung chronifiziert.
Viele Betroffene versuchen zunächst, die Schmerzen zu ignorieren und die gewohnte Belastung fortzusetzen – ein Fehler, der die Heilung erheblich verzögern kann. Denn ohne angemessene Behandlung und ausreichende Erholungsphasen kann eine akute Sehnenscheidenentzündung in einen chronischen Zustand übergehen, der deutlich schwieriger zu therapieren ist und die Lebensqualität langfristig beeinträchtigt. Umso wichtiger ist es, die Erkrankung frühzeitig zu erkennen, richtig einzuordnen und gezielt zu behandeln.
Dieser Artikel bietet Ihnen einen umfassenden Überblick über alle relevanten Aspekte der Sehnenscheidenentzündung: von der genauen anatomischen Definition über Ursachen und typische Symptome bis hin zu Diagnosemethoden, Behandlungsoptionen und effektiven Maßnahmen zur Vorbeugung. Unser Ziel ist es, Ihnen das nötige Wissen an die Hand zu geben, um Ihre Beschwerden besser einordnen und gemeinsam mit Ihrem Arzt fundierte Entscheidungen treffen zu können.
Was ist eine Sehnenscheidenentzündung?
Anatomische Grundlagen: Sehnen und ihre Schutzhüllen
Um eine Sehnenscheidenentzündung zu verstehen, lohnt ein kurzer Blick auf die Anatomie. Sehnen sind feste, wenig elastische Bindegewebsstränge, die Muskeln mit Knochen verbinden und die Kraft der Muskeln auf den Skelettapparat übertragen. An bestimmten Körperstellen – besonders dort, wo Sehnen über Knochen, Gelenke oder unter Haltebänder verlaufen – sind diese Sehnen von einer röhrenförmigen Hülle umgeben: der Sehnenscheide, lateinisch Vagina tendinis.
Die Sehnenscheide besteht aus zwei Schichten: einer inneren Schicht, die direkt der Sehne anliegt (Synovialis visceralis), und einer äußeren Schicht (Synovialis parietalis). Zwischen diesen beiden Schichten befindet sich eine kleine Menge Gelenkflüssigkeit (Synovia), die als natürliches Gleitmittel fungiert und eine reibungsarme Bewegung der Sehne innerhalb ihrer Hülle ermöglicht. Dieses Prinzip ähnelt einem Kugellagersystem – solange es intakt ist, gleiten die Sehnen mühelos und schmerzfrei.
Bei einer Tendovaginitis – dem medizinischen Fachbegriff für die Sehnenscheidenentzündung – entzündet sich diese schützende Hülle. Die Entzündungsreaktion führt zu einer vermehrten Produktion von Synovia, die dann jedoch veränderte Eigenschaften aufweist und ihre Schmierfunktion nicht mehr optimal erfüllt. Die Sehnenscheide schwillt an, und die Sehne bewegt sich mit zunehmendem Reibungswiderstand innerhalb ihrer Hülle. Dies erklärt das charakteristische Knirschen oder Reiben, das manche Betroffene spüren oder sogar hören können.
Abgrenzung zu ähnlichen Erkrankungen
Die Sehnenscheidenentzündung muss von verwandten, aber unterschiedlichen Erkrankungen abgegrenzt werden. Die Tendinitis oder Tendinopathie bezeichnet eine Entzündung der Sehne selbst – nicht der umgebenden Scheide. Die Peritendinitis ist eine Entzündung des Gewebes um die Sehne herum, während die Bursitis einen Schleimbeutel betrifft. Im klinischen Alltag werden diese Begriffe manchmal unscharf verwendet, weshalb eine sorgfältige ärztliche Untersuchung zur genauen Diagnose unerlässlich ist.
Auch von Muskelschmerzen (Myalgie) muss die Sehnenscheidenentzündung differenziert werden, da beide Erkrankungen ähnliche Symptome verursachen können, jedoch unterschiedliche Behandlungsansätze erfordern. Zudem gibt es Sonderformen wie den stenosierenden Tendovaginitis, bei der es zu einer Einengung der Sehnenscheide kommt, wie etwa beim bekannten Schnappfinger (Digitus saltans) oder dem De-Quervain-Syndrom am Daumen.
Im weiteren medizinischen Kontext lässt sich die Sehnenscheidenentzündung auch als Teil der Gruppe der Repetitive Strain Injuries (RSI) einordnen – einem Sammelbegriff für Verletzungen und Erkrankungen, die durch wiederholte, gleichförmige Bewegungen entstehen. Das RSI-Syndrom hat in der modernen Arbeitswelt erhebliche Bedeutung erlangt und wird von Berufsgenossenschaften und Arbeitsmedizinern intensiv untersucht. Eine übersichtliche Einordnung verschiedener Gelenkbeschwerden finden Sie auch in unserem medizinischen Lexikon.
Ursachen der Sehnenscheidenentzündung
Mechanische Überbelastung als Hauptauslöser
Die mit Abstand häufigste Ursache einer Sehnenscheidenentzündung ist mechanische Überbelastung. Wenn Sehnen wiederholt und über lange Zeiträume hinweg denselben Belastungen ausgesetzt werden, reagiert das umliegende Gewebe mit einer Entzündungsreaktion. Dabei reicht oft schon eine ungewohnte, intensive oder monotone Belastung über wenige Stunden oder Tage aus, um erste Entzündungsprozesse auszulösen – besonders dann, wenn das Gewebe keine ausreichenden Erholungsphasen erhält.
Ein häufiges Szenario ist beispielsweise das intensive Gartenarbeiten nach langer Pause: Wer über mehrere Stunden hackt, gräbt oder mit dem Spaten arbeitet, belastet Sehnen und Sehnenscheiden der Hand- und Unterarmregion weit über das gewohnte Maß hinaus. Ähnliches gilt für das stundenweise Tippen auf einer Computertastatur ohne ergonomische Pausen, das Spielen eines Musikinstruments bei intensiver Übeintensität oder das Ausüben von Sportarten mit gleichförmigen Bewegungsabläufen wie Rudern, Tennis oder Schwimmen.
Berufsbedingte Risikofaktoren
Bestimmte Berufsgruppen sind statistisch häufiger betroffen als andere. Zu den besonders gefährdeten Berufsfeldern zählen:
- Büroarbeitende mit stundenlanger Tastatur- und Mausnutzung ohne ausreichende Pausen
- Handwerker und Bauarbeiter, die repetitive Bewegungen wie Hämmern, Schrauben oder Bohren ausführen
- Musiker, insbesondere Streicher, Pianisten und Schlagzeuger
- Köche und Metzger durch wiederholtes Schneiden und Greifen
- Kassiererinnen und Kassierer durch schnelle, wiederholte Handbewegungen
- Friseure und Kosmetikerinnen durch das dauerhafte Arbeiten mit Scheren, Kämmen und Massagegriffen
- Sportler in Ausdauer- und Techniksportarten (Rudern, Tennis, Golf, Schwimmen, Klettern)
- Paketzusteller und Lagerarbeiter durch schweres Heben und Tragen
- Pflegepersonal durch körperliche Arbeit beim Umlagern und Unterstützen von Patienten
Weitere auslösende Faktoren
Neben der mechanischen Überbelastung gibt es weitere Faktoren, die eine Sehnenscheidenentzündung begünstigen oder auslösen können. Entzündliche Grunderkrankungen wie rheumatoide Arthritis, Psoriasis-Arthritis oder andere Autoimmunerkrankungen können die Sehnenscheiden direkt befallen. Bei diesen Erkrankungen richtet das Immunsystem seine Angriffe gegen körpereigenes Gewebe, was zu chronischen Entzündungen auch im Bereich der Sehnenscheiden führen kann.
Hormonelle Veränderungen spielen ebenfalls eine Rolle: So tritt die Sehnenscheidenentzündung am Handgelenk bei Frauen – besonders während der Schwangerschaft und in der Stillzeit – häufiger auf als bei Männern. Veränderte Hormonspiegel, insbesondere eine erhöhte Relaxin-Ausschüttung, können das Bindegewebe lockern und anfälliger für Reizungen machen. Auch Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes mellitus oder Gicht erhöhen das Risiko, da sie die Gewebequalität und die lokale Durchblutung beeinflussen.
Traumatische Ereignisse – etwa ein Sturz auf die ausgestreckte Hand oder ein direktes Anpralltrauma – können ebenfalls eine akute Sehnenscheidenentzündung auslösen. Seltener sind bakterielle Infektionen die Ursache (septische Tendovaginitis), die beispielsweise nach Stich- oder Schnittverletzungen entstehen können und die schnelle medizinische Behandlung erfordern.
Weitere begünstigende Faktoren umfassen:
- Mangelhafte Ergonomie am Arbeitsplatz (falsche Sitzhöhe, ungeeignete Maus oder Tastatur)
- Unzureichendes Aufwärmen vor sportlicher Belastung
- Plötzliche Steigerung von Trainingsintensität oder -volumen
- Fehlstellungen des Bewegungsapparats (z. B. Knick-Senkfuß, O-Beine)
- Muskuläre Dysbalancen und verkürzte Muskeln
- Kälteexposition, die die Durchblutung mindert
- Bestimmte Medikamente (z. B. Fluorchinolon-Antibiotika, die als Nebenwirkung Sehnenschäden verursachen können)
Symptome der Sehnenscheidenentzündung
Das typische Beschwerdebild erkennen
Die Symptome einer Sehnenscheidenentzündung sind in vielen Fällen charakteristisch, können aber in Intensität und Ausprägung erheblich variieren. Das Leitsymptom ist ein lokaler Schmerz entlang des betroffenen Sehnenverlaufs, der sich typischerweise bei Bewegung verschlimmert und in Ruhe nachlässt. Im Anfangsstadium tritt der Schmerz oft nur bei bestimmten Bewegungen oder unter Belastung auf – in fortgeschrittenen Stadien kann er jedoch auch in Ruhe oder gar in der Nacht vorhanden sein.
Ein weiteres häufiges und für viele Betroffene charakteristisches Zeichen ist ein Knirschen oder Reiben (Krepitation), das bei Bewegung der betroffenen Region zu spüren und manchmal sogar zu hören ist. Dieses Phänomen entsteht durch die verminderte Gleitfähigkeit der entzündeten Sehnenscheide und gilt als ein wichtiger Hinweis für die Diagnose. Viele Patienten beschreiben das Geräusch als ähnlich wie das Gehen auf frisch gefallenem Schnee.
Lokale Entzündungszeichen
Neben dem Schmerz treten oft die klassischen Entzündungszeichen auf, die bereits von Celsus beschrieben wurden:
- Rötung (Rubor) der Haut über dem betroffenen Bereich
- Schwellung (Tumor) durch vermehrte Flüssigkeitsansammlung in der Sehnenscheide
- Überwärmung (Calor) des betroffenen Gewebeabschnitts, tastbar als Wärmegefühl
- Schmerz (Dolor), besonders bei Druck auf den Sehnenverlauf
- Funktionseinschränkung (Functio laesa) bei Bewegungen, die die betroffene Sehne beanspruchen
- Druckempfindlichkeit entlang der Sehne bei Palpation
- Steifigkeit, besonders morgens nach dem Aufwachen oder nach längerer Ruhe
Häufig betroffene Körperstellen
Eine Sehnenscheidenentzündung kann prinzipiell an jeder Körperstelle auftreten, an der Sehnenscheiden vorhanden sind. Besonders häufig betroffen sind jedoch bestimmte anatomische Regionen:
| Körperstelle | Häufige Ursachen | Typische Symptome |
|---|---|---|
| Handgelenk / Unterarm | Büroarbeit, Computermaus, Musizieren | Ziehender Schmerz, Schwellung, Knirschen |
| Daumen (De-Quervain) | Schwangerschaft, Stillen, Smartphone-Nutzung | Stechender Schmerz bei Daumenabspreizung |
| Finger (Schnappfinger) | Greifberufe, Handwerker, Diabetes | Schnappen oder Blockieren beim Beugen |
| Achillessehne | Laufsport, falsches Schuhwerk, Übergewicht | Schmerz und Schwellung am Fersenbereich |
| Knie (Pes anserinus) | Überlastung, Arthrose, Übergewicht | Schmerz an der Knieinnenseite |
| Schulterbereich | Überkopfarbeiten, Wurfbewegungen | Eingeschränkte Schulterbeweglichkeit, Schmerz |
Wann sollten Sie unbedingt einen Arzt aufsuchen?
Nicht jede Sehnenirritation erfordert sofortigen Arztbesuch, jedoch gibt es klare Warnzeichen, bei denen eine ärztliche Beurteilung zeitnah erfolgen sollte. Suchen Sie einen Arzt auf, wenn:
- Die Beschwerden trotz Schonung nach mehr als einer bis zwei Wochen nicht nachlassen oder sich verschlechtern
- Die betroffene Region stark geschwollen, stark gerötet oder auffallend überwärmt ist
- Fieber oder allgemeines Krankheitsgefühl begleitend auftreten (möglicher Hinweis auf eine Infektion)
- Die Beweglichkeit stark eingeschränkt ist und sich im Alltag deutliche Funktionsbeeinträchtigungen zeigen
- Kribbeln, Taubheitsgefühle oder Lähmungserscheinungen auftreten
- Die Schmerzen nach einer Verletzung oder einem Trauma entstanden sind
- Bekannte Vorerkrankungen wie Rheuma oder Diabetes bestehen
„Eine frühzeitige Diagnose und konsequente Behandlung sind entscheidend, um die Chronifizierung einer Sehnenscheidenentzündung zu verhindern. Wer zu lange wartet, riskiert einen langwierigen Heilungsverlauf."
Diagnose der Sehnenscheidenentzündung
Der Weg zur Diagnose: Anamnese und körperliche Untersuchung
Die Diagnose einer Sehnenscheidenentzündung beginnt in der Regel mit einem ausführlichen Gespräch zwischen Patient und Arzt, der sogenannten Anamnese. Dabei erkundigt sich der Arzt nach dem genauen Ort und der Art der Schmerzen, dem zeitlichen Verlauf der Beschwerden, möglichen auslösenden Ereignissen oder Belastungen, der beruflichen Tätigkeit und sportlichen Aktivitäten sowie nach bekannten Vorerkrankungen. Diese Informationen sind oft schon sehr aufschlussreich und ermöglichen eine erste Eingrenzung der möglichen Diagnosen.
Im Anschluss folgt die körperliche Untersuchung. Der Arzt tastet (palpiert) den betroffenen Bereich und prüft, ob Druckschmerz entlang des Sehnenverlaufs besteht. Er beurteilt Schwellungen, Rötungen und Überwärmung und testet die Beweglichkeit der betroffenen Körperregion – sowohl aktiv durch den Patienten als auch passiv durch den Arzt. Spezifische klinische Tests können helfen, bestimmte Diagnosen zu sichern oder auszuschließen.
Spezifische klinische Tests
Für die Diagnose bestimmter Sehnenscheidenentzündungen existieren standardisierte klinische Tests:
- Finkelstein-Test: Bei Verdacht auf das De-Quervain-Syndrom wird der Daumen in die Faust eingeschlossen und das Handgelenk in Richtung Kleinfinger abgewinkelt. Ein positives Testergebnis zeigt sich durch starke Schmerzen an der Daumenbasisseite des Handgelenks.
- Phalen-Test und Tinel-Zeichen: Diese Tests dienen der Abgrenzung zum Karpaltunnelsyndrom, das ähnliche Symptome verursachen kann.
- Palmarer Beugetest: Beim Verdacht auf einen Schnappfinger wird die aktive Beugung der Finger beurteilt und auf ein schnappedes oder blockierendes Phänomen geachtet.
- Thompson-Test: Bei Verdacht auf eine Achillessehnenruptur oder schwere Achillessehnenproblematik prüft der Arzt, ob eine Wadenkompression noch eine Fußbewegung auslöst.
Bildgebende und labordiagnostische Verfahren
In vielen Fällen ist die klinische Diagnose ausreichend. Bei Unklarheiten oder zur Absicherung werden jedoch bildgebende Verfahren eingesetzt. Die Sonografie (Ultraschall) ist dabei das Mittel der ersten Wahl: Sie ist kostengünstig, strahlungsfrei, unmittelbar verfügbar und liefert sehr gute Darstellungen von Sehnen, Sehnenscheiden und umgebenden Strukturen. Eine entzündete Sehnenscheide zeigt sich im Ultraschall typischerweise als verdickte, flüssigkeitsgefüllte Struktur.
Die Magnetresonanztomografie (MRT) wird eingesetzt, wenn der Ultraschall keine eindeutigen Ergebnisse liefert, der klinische Verlauf atypisch ist oder eine operative Therapie geplant wird. Das MRT erlaubt eine sehr detaillierte Darstellung aller Weichteilstrukturen und kann auch Einrisse, Degenerationen oder Begleitpathologien sichtbar machen. Röntgenaufnahmen spielen bei der Diagnose der Sehnenscheidenentzündung selbst eine untergeordnete Rolle, da Sehnen im Röntgenbild nicht sichtbar sind; sie können jedoch knöcherne Ursachen oder Veränderungen ausschließen.
Laboruntersuchungen sind bei der klassischen Tendovaginitis meist nicht erforderlich. Wenn jedoch eine entzündliche Grunderkrankung (z. B. rheumatoide Arthritis) vermutet wird oder eine septische Ursache ausgeschlossen werden muss, können Entzündungsmarker wie CRP (C-reaktives Protein), BSG (Blutsenkungsgeschwindigkeit) und ein Blutbild sowie spezifische Autoantikörper (z. B. Rheumafaktor, Anti-CCP-Antikörper) bestimmt werden.
Behandlung der Sehnenscheidenentzündung
Das PECH-Schema als erste Sofortmaßnahme
Bei einer akuten Sehnenscheidenentzündung ist zunächst die Selbsthilfe gefragt, bevor weitergehende medizinische Maßnahmen notwendig werden. Bewährt hat sich das sogenannte PECH-Schema:
- P – Pause: Sofortige Einstellung der schmerzauslösenden Aktivität und Schonung der betroffenen Region
- E – Eis: Kühlung des betroffenen Bereichs mit einem Kühlpad oder Eisbeutel (nie direkt auf die Haut, immer mit einem Tuch dazwischen) für 10–15 Minuten mehrmals täglich
- C – Compression: Leichter Kompressionverband zur Eindämmung von Schwellungen (nicht zu fest anlegen)
- H – Hochlagern: Hochlagerung des betroffenen Körperteils zur Förderung des venösen Rückflusses und Reduktion von Schwellung
Konservative Behandlungsmethoden
Die konservative Therapie bildet das Fundament der Behandlung und ist in der überwiegenden Mehrzahl der Fälle ausreichend erfolgreich. Sie umfasst mehrere Säulen, die in der Regel kombiniert werden:
Ruhigstellung und Entlastung: Neben allgemeiner Schonung kann je nach Schweregrad eine temporäre Ruhigstellung mit einer orthopädischen Schiene (Orthese) sinnvoll sein. Diese verhindert schmerzauslösende Bewegungen, entlastet die Sehnenscheide und schafft die Voraussetzung für eine Abheilung der Entzündung. Bei Handgelenkstendinitis wird beispielsweise häufig eine Handgelenksorthese verordnet, die insbesondere nachts getragen wird.
Medikamentöse Therapie: Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) wie Ibuprofen oder Diclofenac werden sowohl als Tabletten als auch als lokale Salben eingesetzt. Sie wirken entzündungshemmend und schmerzlindernd. Bei der lokalen Anwendung sind Nebenwirkungen deutlich geringer als bei oraler Einnahme. Kortikosteroid-Injektionen (Kortisonspritzen) können bei schweren oder therapieresistenten Fällen gezielt in die Sehnenscheide injiziert werden; sie wirken sehr effektiv entzündungshemmend, sollten jedoch nur begrenzt eingesetzt werden, da wiederholte Injektionen das Sehnengewebe schwächen können.
Physiotherapie: Sobald die akute Entzündungsphase abgeklungen ist, spielt die Physiotherapie eine zentrale Rolle. Gezielte Dehn- und Kräftigungsübungen helfen, muskuläre Dysbalancen zu beheben, die Belastbarkeit des Sehnenapparats zu steigern und Rückfälle zu vermeiden. Manuelle Therapietechniken können zusätzlich die Beweglichkeit verbessern und Verspannungen lösen.
Physikalische Therapieverfahren
Ergänzend zur physiotherapeutischen Behandlung stehen verschiedene physikalische Therapieverfahren zur Verfügung:
- Ultraschalltherapie: Mechanische Schallwellen werden zur Durchblutungsförderung und Schmerzlinderung eingesetzt
- Elektrotherapie (TENS, Iontophorese): Elektrische Impulse zur Schmerzmodulation oder zum Einbringen von Wirkstoffen in das Gewebe
- Stosswellentherapie: Besonders bei chronischen Verläufen kann die extrakorporale Stoßwellentherapie (ESWT) eine Geweberegeneration anregen
- Lasertherapie: Low-Level-Laser können entzündungshemmende Effekte haben
- Kältetherapie (Kryotherapie): Gezielte Kälteanwendungen zur Schmerzlinderung in der Akutphase
- Wärmetherapie: In der chronischen Phase kann Wärme die Durchblutung fördern und die Gewebegeschmeidigkeit verbessern
Operative Behandlung als letzter Schritt
Eine operative Therapie ist nur in einem kleinen Teil der Fälle erforderlich – nämlich dann, wenn konservative Maßnahmen über mehrere Monate keinen ausreichenden Erfolg zeigen oder wenn anatomische Engstellen vorliegen (stenosierende Tendovaginitis). Beim Schnappfinger beispielsweise kann das beengende Ringband, das die Sehne einengt, chirurgisch gespalten werden – ein kleiner und sehr wirksamer Eingriff. Beim De-Quervain-Syndrom wird das erste Strecksehnenfach gespalten und erweitert, um der Sehne wieder ausreichend Platz zu verschaffen.
„Die Entscheidung für oder gegen eine Operation sollte immer nach ausführlicher Aufklärung, sorgfältiger Abwägung und erst nach konsequenter Ausschöpfung aller konservativen Optionen getroffen werden."
Die Heilungsdauer einer Sehnenscheidenentzündung variiert erheblich. Eine akute, frisch entstandene Entzündung kann bei konsequenter Schonung und Behandlung innerhalb von zwei bis vier Wochen abheilen. Chronische Verläufe hingegen können Monate in Anspruch nehmen. Entscheidend ist, dass die Schonung nicht zu früh beendet wird – ein häufiger Fehler, der Rückfälle begünstigt.
Vorbeugung einer Sehnenscheidenentzündung
Ergonomie am Arbeitsplatz: Der wichtigste Hebel
Da die Sehnenscheidenentzündung in vielen Fällen auf berufliche Überbelastung zurückzuführen ist, ist die Optimierung der Ergonomie am Arbeitsplatz eine der wirksamsten vorbeugenden Maßnahmen. Für Büroarbeiter bedeutet dies konkret: Die Sitzhöhe sollte so eingestellt sein, dass die Unterarme beim Tippen waagerecht auf dem Schreibtisch liegen und die Handgelenke nicht abgeknickt werden müssen. Eine ergonomische Tastatur und Maus können den Belastungsdruck auf Sehnen und Sehnenscheiden deutlich reduzieren.
Besonders wirkungsvoll ist das regelmäßige Einlegen von Mikropausen: Kurze Unterbrechungen von wenigen Minuten alle 30 bis 45 Minuten reichen aus, um die Sehnen zu entlasten und die Regeneration zu fördern. In diesen Pausen können einfache Dehn- und Lockerungsübungen für Hände, Handgelenke und Unterarme durchgeführt werden. Verschiedene Apps und Softwaretools können dabei helfen, regelmäßige Pausenerinnerungen einzurichten.
Gezieltes Aufwärmen im Sport
Im sportlichen Kontext ist ein systematisches Aufwärmprogramm vor jeder Trainingseinheit unverzichtbar. Das Aufwärmen erhöht die Körpertemperatur, verbessert die Durchblutung des Muskel- und Sehnengewebes und steigert die Gleitfähigkeit der Sehnenscheiden. Besonders wichtig ist ein sportartspezifisches Aufwärmen: Ein Tennisspieler sollte gezielt die Unterarm- und Schultermuskulatur aufwärmen, ein Läufer die Bein- und Wadenmuskulatur inklusive der Achillessehnenregion.
Darüber hinaus sollten Trainingsumfang und -intensität immer schrittweise gesteigert werden. Die sogenannte 10-Prozent-Regel besagt, dass der wöchentliche Trainingsumfang nicht um mehr als 10 Prozent gegenüber der Vorwoche gesteigert werden sollte – eine einfache, aber wirksame Faustregel zur Vermeidung von Überbelastungsschäden. Nach intensiven Belastungen sind ausreichende Regenerationsphasen einzuplanen.
Konkrete Präventionsmaßnahmen im Überblick
- Ergonomische Arbeitsplatzmittel: Investitionen in ergonomische Tastatur, Maus, Unterarmauflage und Schreibtischstuhl zahlen sich langfristig aus
- Regelmäßige Pausen: Alle 30–45 Minuten kurze Unterbrechungen von 3–5 Minuten bei Tätigkeiten mit repetitiven Bewegungen
- Dehn- und Kräftigungsübungen: Gezielte Übungen für die am meisten beanspruchten Muskel- und Sehnengruppen, idealerweise täglich durchgeführt
- Aufwärmen vor Belastung: Systematisches Aufwärmprogramm vor jeder sportlichen Aktivität und körperlich anspruchsvollen Tätigkeit
- Schrittweise Belastungssteigerung: Kein plötzlicher Anstieg von Trainingsintensität oder Arbeitsbelastung
- Geeignetes Schuhwerk: Gute Laufschuhe mit ausreichender Dämpfung und Passform zur Prävention von Fußsehnenerkrankungen
- Kräftigung der stabilisierenden Muskulatur: Starke Muskeln entlasten die Sehnen; besonders Unterarm-, Schulter- und Rumpfmuskulatur
- Bewegungsabwechslung: Monotone Bewegungsabläufe durch Tätigkeitswechsel oder Übungsvariationen unterbrechen
- Frühe Reaktion auf erste Warnsignale: Erste Anzeichen von Sehnenreizungen ernst nehmen und frühzeitig Belastung reduzieren
- Gesunde Ernährung und ausreichende Flüssigkeitszufuhr: Eine ausgewogene Ernährung unterstützt die Gewebequalität und Regenerationsfähigkeit
- Normgewicht anstreben: Übergewicht erhöht die mechanische Belastung auf Sehnen und Gelenke erheblich
- Professionelle Beratung bei spezifischen Risikofaktoren: Beratung durch Betriebsarzt, Physiotherapeut oder Ergonomiefachkraft bei berufsbedingten Risiken
Betriebliche Prävention als gesellschaftliche Aufgabe
Sehnenscheidenentzündungen verursachen erhebliche volks- und betriebswirtschaftliche Kosten durch Arbeitsausfälle, Produktivitätsverluste und Behandlungskosten. Aus diesem Grund haben Berufsgenossenschaften und Arbeitsschutzbehörden in Deutschland umfangreiche Programme zur betrieblichen Gesundheitsförderung entwickelt. Arbeitgeber sind nach dem Arbeitsschutzgesetz verpflichtet, Gefährdungsbeurteilungen durchzuführen und Maßnahmen zur Reduktion von Überbelastungsschäden zu ergreifen. Arbeitnehmer sollten von diesen Angeboten aktiv Gebrauch machen und eigene Beschwerden im Betrieb ansprechen, um ergonomische Anpassungen einzufordern.
Zusammenfassung
Die Sehnenscheidenentzündung (Tendovaginitis) ist eine häufige, gut behandelbare Erkrankung des Bewegungsapparats, die durch Entzündung der schützenden Hülle um eine Sehne entsteht. Sie betrifft Menschen aller Berufsgruppen und Altersklassen, ist aber besonders häufig bei Personen mit repetitiven oder einseitigen Belastungen im Beruf oder Sport zu finden. Die häufigsten Lokalisationen sind Handgelenk, Unterarm, Daumen, Finger und Achillessehne.
Typische Symptome umfassen lokale Schmerzen entlang des Sehnenverlaufs, Schwellung, Rötung, Überwärmung sowie ein charakteristisches Knirschen oder Reiben bei Bewegung. Die Diagnose erfolgt in erster Linie durch Anamnese und körperliche Untersuchung; bei Bedarf ergänzt durch Sonografie oder MRT. Eine laborchemische Untersuchung ist bei Verdacht auf eine entzündliche Grunderkrankung sinnvoll.
Die Behandlung erfolgt überwiegend konservativ und umfasst Schonung, Kühlung, lokale und systemische NSAR, bei Bedarf Kortikosteroid-Injektionen sowie Physiotherapie und physikalische Therapieverfahren. In seltenen, therapieresistenten Fällen ist ein operativer Eingriff notwendig. Die Heilungsprognose ist bei frühzeitiger und konsequenter Behandlung generell gut, wobei chronische Verläufe deutlich langwieriger sind.
Vorbeugend wirken ergonomische Maßnahmen am Arbeitsplatz, regelmäßige Pausen, gezieltes Aufwärmen, schrittweise Belastungssteigerung und ein aufmerksamer Umgang mit ersten Warnsignalen. Wer anhaltende oder sich verschlechternde Beschwerden bemerkt, sollte zeitnah einen Arzt aufsuchen, um eine Chronifizierung zu verhindern und die richtige Therapie einzuleiten. Weiterführende Informationen zu verwandten Erkrankungen finden Sie in unserem medizinischen Lexikon sowie im Artikel über Muskelschmerzen (Myalgie).
Medizinischer Hinweis
Die Informationen auf dieser Seite dienen ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzen keine persönliche Beratung, Untersuchung oder Diagnose durch einen approbierten Arzt oder Orthopäden. Bei gesundheitlichen Beschwerden konsultieren Sie bitte immer einen Facharzt.
📚Wissenschaftliche Quellen
Die folgenden externen Quellen dienen als Grundlage für die in diesem Artikel präsentierten Informationen:
- 📋LeitlinieAWMF-Leitlinie: Handchirurgische Erkrankungen – Tendovaginitis stenosanshttps://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/005-001.html
- 📊StudieHuisstede BM et al.: Interventions for treating the radial tunnel syndrome: a systematic review of observational studies. J Hand Surg Eur Vol. 2018https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/29301500/
- Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU): Patienteninformationen zu Sehnenerkrankungenhttps://www.dgou.de/patienten/
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