Fersenschmerzen

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Fersenschmerzen: Wenn jeder Schritt zur Belastung wird

Kaum ein Schmerz beeinträchtigt den Alltag so unmittelbar wie ein stechender, brennender oder drückender Schmerz in der Ferse. Der erste Schritt morgens aus dem Bett, das Aufstehen nach längerem Sitzen, das Treppensteigen – all das kann bei Betroffenen zu einer schmerzhaften Erfahrung werden. Fersenschmerzen gehören zu den häufigsten Beschwerden am Fuß überhaupt: Schätzungsweise jeder zehnte Mensch im Laufe seines Lebens leidet mindestens einmal unter ernsthaften Schmerzen in der Fersenregion. Besonders Menschen zwischen 40 und 60 Jahren sind häufig betroffen, obwohl die Beschwerden grundsätzlich in jedem Alter auftreten können.

Viele Betroffene neigen dazu, Fersenschmerzen zunächst zu ignorieren oder als vorübergehende Ermüdungserscheinung abzutun. Das ist verständlich – schließlich klingt mancher Schmerz nach einer kurzen Ruhephase tatsächlich vorübergehend ab. Doch hinter anhaltenden Fersenschmerzen können sehr unterschiedliche Ursachen stecken: von mechanisch-entzündlichen Veränderungen der Plantarfaszie über Knochensporne bis hin zu entzündlich-rheumatischen Erkrankungen oder Überlastungssyndromen. Wer die Ursache nicht kennt und entsprechend behandelt, riskiert eine Chronifizierung der Beschwerden.

Ein häufiges Szenario ist folgendes: Eine Person beginnt mit einem neuen Sportprogramm oder steht beruflich viele Stunden am Tag, und nach einigen Wochen meldet sich ein hartnäckiger Schmerz unter der Ferse – besonders morgens nach dem Aufstehen besonders intensiv. Oft steckt dahinter eine Plantarfasziitis, also eine Reizung der Sehnenplatte an der Fußsohle. Diese ist mit Abstand die häufigste Ursache für Fersenschmerzen und betrifft Millionen Menschen weltweit. Doch es gibt noch viele weitere Auslöser, die in diesem Ratgeber ausführlich beleuchtet werden.

Dieser Artikel richtet sich an alle Menschen, die sich umfassend über Fersenschmerzen informieren möchten – sei es zur Einordnung eigener Beschwerden, zur Vorbereitung auf einen Arztbesuch oder zur allgemeinen Wissenserweiterung. Er ersetzt keine ärztliche Diagnose und keine individuelle medizinische Beratung, bietet aber einen soliden Überblick über Ursachen, Symptome, Diagnosewege und Behandlungsmöglichkeiten. Bei anhaltenden oder starken Beschwerden sollte stets ein Arzt aufgesucht werden.

Ursachen von Fersenschmerzen: Ein komplexes Zusammenspiel

Die häufigste Ursache: Plantarfasziitis

Die Plantarfasziitis (auch Plantarfasciitis) ist mit Abstand die verbreitetste Ursache für Fersenschmerzen. Sie entsteht durch eine Reizung oder Entzündung der Plantarfaszie – einer kräftigen Bindegewebsplatte, die sich vom Fersenbein (Kalkaneus) bis zu den Zehengrundgelenken erstreckt. Diese Struktur dient als eine Art Zugseil, das das Längsgewölbe des Fußes stützt und bei jedem Schritt enorme Zugkräfte abfängt. Studien deuten darauf hin, dass bei körperlich aktiven Menschen zwischen 11 und 15 Prozent aller Fußbeschwerden auf eine Plantarfasziitis zurückzuführen sind. Bei Läufern kann dieser Anteil noch höher liegen.

Typische Risikofaktoren für eine Plantarfasziitis umfassen Übergewicht, langes Stehen auf harten Böden, intensive körperliche Aktivität (besonders Laufen und Springen), schlecht sitzendes Schuhwerk, verkürzte Wadenmuskulatur sowie ein ausgeprägter Hohlfuß oder Plattfuß. Auch ein plötzlicher Anstieg der körperlichen Belastung – etwa beim Beginn eines Trainingsprogramms – kann das Gewebe überfordern.

Der Fersensporn: Häufig missverstanden

Eng mit der Plantarfasziitis verbunden ist der sogenannte Fersensporn (Kalkaneussporn). Dabei handelt es sich um eine knöcherne Ausziehung am Fersenbein, die durch anhaltenden Zug der Plantarfaszie entsteht. Man unterscheidet den plantaren Fersensporn (unterhalb der Ferse, in Verlängerung der Plantarfaszie) vom dorsalen Fersensporn (am hinteren Fersenbein, im Bereich der Achillessehne). Wichtig zu wissen: Ein Fersensporn selbst verursacht nicht zwingend Schmerzen. Viele Menschen haben röntgenologisch nachweisbare Fersenspornen, ohne jemals Beschwerden zu spüren. Der Schmerz entsteht vielmehr durch die Entzündung des umliegenden Gewebes.

Weitere wichtige Ursachen im Überblick

Neben der Plantarfasziitis gibt es eine Reihe weiterer Erkrankungen und Zustände, die Fersenschmerzen verursachen können. Die folgende Übersicht zeigt die wichtigsten:

  • Achillodynie / Achillessehnentendinopathie: Degenerative Veränderungen oder Überlastung der Achillessehne führen zu Schmerzen am hinteren Fersenbereich. Besonders Läufer und ältere Sportler sind betroffen.
  • Haglund-Deformität: Eine knöcherne Vorwölbung am hinteren oberen Fersenbein, die durch drückendes Schuhwerk gereizt wird und Schmerzen sowie Schwellungen verursacht.
  • Bursitis subachillea / Retrocalcaneäre Schleimbeutelentzündung: Eine Entzündung des Schleimbeutels zwischen Achillessehne und Fersenbein, häufig durch mechanische Reizung.
  • Stressfraktur des Fersenbeins: Ermüdungsbrüche des Kalkaneus entstehen durch wiederholte Überlastung, z. B. bei Soldaten, Läufern oder Menschen mit Osteoporose.
  • Nerveneinklemmung (Tarsaltunnelsyndrom): Ähnlich wie das Karpaltunnelsyndrom am Handgelenk kann am Innenknöchel der Nervus tibialis eingeklemmt werden und Schmerzen bis in die Ferse ausstrahlen.
  • Morbus Sever (bei Kindern und Jugendlichen): Eine Apophysitis des Fersenbeins, die vor allem Kinder zwischen 8 und 15 Jahren bei intensiver sportlicher Betätigung betrifft.
  • Entzündlich-rheumatische Erkrankungen: Erkrankungen wie die Spondylitis ankylosans (Morbus Bechterew), reaktive Arthritis oder Arthrose-ähnliche Veränderungen können sich auch an der Ferse manifestieren.
  • Gicht: Ablagerungen von Harnsäurekristallen können auch im Fersenbereich auftreten und akute, intensive Schmerzen verursachen.
  • Systemische Erkrankungen: Diabetes mellitus kann zu peripheren Neuropathien führen, die sich als brennende Schmerzen in der Ferse äußern.
  • Weichteilprobleme: Lipome, Zysten oder Veränderungen des Fettpolsters unter der Ferse (Fettpolsteratrophie) können ebenfalls Schmerzen verursachen.
Wichtiger Hinweis: Da hinter Fersenschmerzen so viele unterschiedliche Ursachen stecken können, ist eine sorgfältige ärztliche Abklärung unerlässlich. Selbstdiagnosen können dazu führen, dass ernstere Erkrankungen übersehen werden.

Symptome: So äußern sich Fersenschmerzen

Das typische Beschwerdebild

Die Symptome von Fersenschmerzen variieren je nach Ursache erheblich. Dennoch gibt es einige charakteristische Muster, die auf bestimmte Erkrankungen hinweisen. Das klassische Bild einer Plantarfasziitis ist der sogenannte Anlaufschmerz: Besonders die ersten Schritte morgens nach dem Aufstehen oder nach längerem Sitzen sind intensiv schmerzhaft. Der Schmerz sitzt typischerweise unter der Ferse, häufig leicht nach innen versetzt, genau dort, wo die Plantarfaszie am Fersenbein ansetzt. Nach einigen Schritten lässt der Schmerz oft nach – nur um nach längerer Belastung wieder zuzunehmen.

Viele Betroffene beschreiben den Anlaufschmerz als stechend, messerscharf oder wie einen Nagel im Fuß. Manche empfinden ihn eher als brennend oder dumpf-drückend. Im Verlauf des Tages, wenn sich das Gewebe aufgewärmt hat, können die Beschwerden spürbar nachlassen – was viele dazu verleitet, die Erkrankung zu unterschätzen. Doch ohne Behandlung neigt die Plantarfasziitis zur Chronifizierung, und die Schmerzen können sich auf Dauer intensivieren und länger anhalten.

Symptomunterschiede nach Lokalisation und Ursache

Je nachdem, wo genau die Schmerzen auftreten und wie sie sich anfühlen, lassen sich erste Hinweise auf die mögliche Ursache ableiten – eine endgültige Diagnose erfordert jedoch immer einen Arztbesuch.

Symptom / MerkmalMögliche Ursache
Stechender Schmerz unter der Ferse, morgens besonders starkPlantarfasziitis, plantarer Fersensporn
Schmerz am hinteren Fersenbein, beim SchuhanlegenHaglund-Deformität, Achillodynie, dorsaler Fersensporn
Diffuser, brennender Schmerz, evtl. KribbelnTarsaltunnelsyndrom, diabetische Neuropathie
Plötzlich einsetzender, sehr intensiver SchmerzStressfraktur, Gichtanfall
Morgensteifigkeit, beidseitige Beschwerden, junges AlterSpondylitis ankylosans, reaktive Arthritis
Schmerz bei direktem Druck auf den Fersenbein-KörperStressfraktur des Kalkaneus

Begleitsymptome, die Aufmerksamkeit verdienen

Neben dem eigentlichen Fersenschmerz können weitere Begleitsymptome auftreten, die diagnostisch bedeutsam sind:

  • Schwellung und Rötung im Fersenbereich können auf eine Entzündung (Bursitis, Arthritis) hinweisen.
  • Wärme in der betroffenen Region deutet auf einen aktiven Entzündungsprozess hin.
  • Schmerzen, die sich auf die Wadenmuskulatur ausdehnen, können auf eine Achillessehnenproblematik hinweisen.
  • Kribbeln, Taubheitsgefühl oder ein Brennen sprechen eher für eine nervale Beteiligung (z. B. Tarsaltunnelsyndrom).
  • Morgensteifigkeit über 30 Minuten hinaus zusammen mit Fersenschmerzen kann ein Hinweis auf eine entzündlich-rheumatische Erkrankung sein.
  • Beidseitige Beschwerden ohne klaren Auslöser sind ein Warnsignal für systemische Erkrankungen.
  • Schmerzen in Ruhe und nachts sind untypisch für eine rein mechanische Plantarfasziitis und sollten abgeklärt werden.
  • Veränderungen der Fußform (z. B. zunehmender Plattfuß) können ursächlich oder begleitend auftreten.

Ein häufig unterschätzter Aspekt: Fersenschmerzen können sich auf die gesamte Körperhaltung und das Gangbild auswirken. Wer den schmerzhaften Fuß schont, belastet unbewusst den anderen Fuß stärker – oder verändert sein Gangmuster so, dass Knie, Hüfte oder Wirbelsäule überbelastet werden. Dies kann langfristig zu Schmerzen an anderen Stellen des Bewegungsapparates führen, etwa zu Knieschmerzen.

Lokalisation: Wo genau sitzt der Schmerz?

Die Ferse aus anatomischer Perspektive

Die Ferse ist anatomisch ein komplexes Gebilde. Das zentrale Element ist der Kalkaneus (Fersenbein), der größte Knochen des Fußes. An seiner Unterseite setzt die Plantarfaszie an, an seiner Rückseite die mächtige Achillessehne. Zwischen Achillessehne und Fersenbein liegt ein Schleimbeutel (Bursa retrocalcanearis). Das gesamte Fersenkissen, das den Aufprall beim Gehen abfedert, besteht aus einem spezialisierten Fettgewebe, das von einem stabilen Bindegewebsnetz durchzogen ist. Nerven, Blutgefäße und Sehnenscheiden vervollständigen dieses komplexe Gefüge.

Die genaue Lokalisation des Schmerzes gibt dem Arzt wichtige diagnostische Hinweise. Patienten sollten versuchen, so präzise wie möglich zu beschreiben, wo genau der Schmerz sitzt und in welche Richtung er möglicherweise ausstrahlt.

Schmerz unter der Ferse (plantar)

Schmerzen an der Unterseite der Ferse sind die häufigste Präsentation. Die Schmerzlokalisation liegt dabei meist am medialen (innenseitigen) Anteil des Fersenbeins – genau dort, wo die Plantarfaszie am Knochen ansetzt. Dies ist das klassische Bild der Plantarfasziitis. Der Schmerz kann in die gesamte Fußsohle ausstrahlen oder auch als punktförmiger Druckschmerz genau am Fersenbein-Höcker auftreten. Bei einem plantaren Fersensporn ist radiologisch oft ein kleiner knöcherner Fortsatz sichtbar, obwohl – wie bereits erwähnt – dieser nicht zwingend Schmerzen verursacht.

Schmerz am hinteren Fersenbein (dorsal/posterior)

Schmerzen an der Rückseite der Ferse entstehen häufig durch Probleme der Achillessehne oder des Schleimbeutels. Die Achillodynie äußert sich als Schmerz und Druckempfindlichkeit einige Zentimeter oberhalb des Fersenbeins, manchmal begleitet von einer tastbaren Verdickung der Sehne. Die Haglund-Deformität (auch „Pump Bump" genannt, da sie oft durch hochhackige Pumps oder feste Schuhe gereizt wird) verursacht Schmerzen und Schwellungen direkt am hinteren oberen Pol des Fersenbeins. Die Bursitis retrocalcanearis – eine Entzündung des Schleimbeutels – führt zu einem tiefen, oft pulsierenden Schmerz direkt zwischen Achillessehne und Fersenbein.

Schmerz seitlich an der Ferse

Schmerzen an der Außen- oder Innenseite der Ferse sind seltener, aber ebenfalls bedeutsam. Eine Reizung der Sehnen, die an den Seiten des Fersenbeins verlaufen (z. B. Peroneus-Sehnen an der Außenseite oder Tibialis-posterior-Sehne an der Innenseite), kann seitliche Fersenschmerzen verursachen. Das Tarsaltunnelsyndrom manifestiert sich typischerweise an der Innenseite der Ferse und des Fußes, da der Tarsalkanal medial am Knöchel liegt. Stressfrakturen des Fersenbeins hingegen können diffusen Druckschmerz über einen größeren Bereich des Fersenbeins verursachen.

Die folgende Orientierung kann bei der Selbstbeobachtung helfen – ersetzt aber keine ärztliche Diagnose:

  • Schmerz unter der Ferse, morgens stark, nachlassend bei Bewegung: Hinweis auf Plantarfasziitis
  • Schmerz hinten an der Ferse, beim Schuhanlegen: Hinweis auf Haglund-Deformität oder Achillodynie
  • Tiefer Schmerz hinten zwischen Sehne und Knochen: Hinweis auf Bursitis retrocalcanearis
  • Brennen, Kribbeln an der Ferseninnenseite: Hinweis auf Tarsaltunnelsyndrom
  • Diffuser Druckschmerz am gesamten Fersenbein: Hinweis auf Stressfraktur

Wann sollte man bei Fersenschmerzen einen Arzt aufsuchen?

Nicht jeder Fersenschmerz braucht sofort einen Arztbesuch – aber manche schon

Gelegentliche leichte Fersenschmerzen nach ungewohnter Belastung – etwa nach einem langen Wandertag oder einem neuen Sportprogramm – sind häufig harmlos und klingen mit Schonung, Kühlung und ausreichend Ruhe von selbst wieder ab. In solchen Fällen kann man zunächst einige Tage abwarten und beobachten, ob sich die Beschwerden bessern.

Anders verhält es sich bei anhaltenden, sich verschlechternden oder von Warnsignalen begleiteten Schmerzen. Hier ist ein Arztbesuch dringend angeraten. Fersenschmerzen, die länger als zwei bis drei Wochen anhalten, ohne sich zu bessern, sollten grundsätzlich ärztlich abgeklärt werden – unabhängig von ihrer Intensität. Je früher die Ursache erkannt wird, desto effektiver lässt sich in der Regel behandeln und desto geringer ist das Risiko einer Chronifizierung.

Warnsignale, die einen sofortigen Arztbesuch erfordern

Die folgenden Symptome sollten umgehend ärztlich abgeklärt werden:

  • Plötzlich auftretender, sehr intensiver Fersenschmerz nach einem Sprung, Sturz oder Tritt – möglicher Hinweis auf eine Fraktur oder Sehnenruptur
  • Starke Schwellung, Rötung und Überwärmung der Fersenregion – Hinweis auf akute Entzündung, Infektion oder Gichtanfall
  • Fieber in Verbindung mit Fersenschmerzen – mögliches Zeichen einer septischen Arthritis oder anderen Infektion
  • Taubheitsgefühl, Lähmungserscheinungen oder starkes Kribbeln im Fuß oder der Ferse
  • Unfähigkeit, den Fuß zu belasten oder normal abzurollen
  • Schmerzen, die nachts besonders stark sind oder den Schlaf stören – untypisch für eine rein mechanische Ursache
  • Beidseitige Fersenschmerzen kombiniert mit Rückenschmerzen und Morgensteifigkeit – möglicher Hinweis auf Spondylitis ankylosans
  • Fersenschmerzen bei bekannter Osteoporose, Diabetes oder anderen Grunderkrankungen
  • Kein Ansprechen auf konservative Maßnahmen nach 4-6 Wochen
„Bei Fersenschmerzen, die länger als vier bis sechs Wochen anhalten oder mit Schwellung, Rötung, Fieber oder neurologischen Symptomen einhergehen, sollte zeitnah ein Arzt, Orthopäde oder Rheumatologe aufgesucht werden. Selbstbehandlung ohne Diagnose kann eine notwendige Therapie verzögern."

Als erste Anlaufstelle eignet sich der Hausarzt, der bei Bedarf eine Überweisung an einen Orthopäden, Rheumatologen oder Fußspezialisten ausstellen kann. Bei Verdacht auf eine rheumatische Erkrankung ist der Rheumatologe der richtige Ansprechpartner. Für sportbedingte Überlastungssyndrome ist oft ein Orthopäde oder Sportmediziner die beste Wahl.

Diagnose: Wie werden Fersenschmerzen untersucht?

Der erste Schritt: Anamnese und körperliche Untersuchung

Die Diagnose von Fersenschmerzen beginnt mit einem ausführlichen Arzt-Patienten-Gespräch (Anamnese). Der Arzt erfragt dabei typischerweise: Seit wann bestehen die Schmerzen? Wann sind sie am stärksten? Welche Tätigkeiten verschlimmern oder lindern sie? Gab es ein auslösendes Ereignis? Welche Vorerkrankungen, Medikamente oder relevante Familienkrankheiten gibt es? Auch Informationen über Beruf, sportliche Aktivitäten und Schuhwerk sind für den Arzt wichtig.

Anschließend folgt die körperliche Untersuchung. Dabei prüft der Arzt die genaue Schmerzlokalisation durch gezielten Druck auf verschiedene Punkte am Fersenbein und der Fußsohle. Der sogenannte Windlass-Test (Dorsalflexion der großen Zehe) kann Hinweise auf eine Plantarfasziitis geben. Auch die Beweglichkeit des oberen und unteren Sprunggelenks, die Wadenmuskulatur, die Achillessehne sowie die Fußgewölbeform werden beurteilt. Eine Gangbeobachtung kann wertvolle Hinweise auf Fehlbelastungen liefern.

Bildgebende Untersuchungen

Je nach Befund der körperlichen Untersuchung können bildgebende Verfahren eingesetzt werden:

  • Röntgen (Radiographie): Das Röntgenbild des Fersenbeins ist oft die erste bildgebende Untersuchung. Es zeigt knöcherne Veränderungen wie Fersenspornen, Stressfrakturen (oft erst nach 2-3 Wochen sichtbar), Haglund-Deformitäten oder arthrotische Veränderungen im Subtalargelenk. Weichteilveränderungen sind im Röntgenbild nicht direkt sichtbar.
  • Ultraschall (Sonographie): Eine sehr wertvolle, strahlungsfreie und kostengünstige Methode zur Beurteilung der Plantarfaszie und der Achillessehne. Eine verdickte Plantarfaszie (normal < 4 mm, bei Fasziitis oft > 4-5 mm) ist ein typischer Befund. Auch Schleimbeutelentzündungen und Sehnenveränderungen lassen sich gut darstellen.
  • Magnetresonanztomographie (MRT): Das MRT liefert die detaillierteste Darstellung der Weichteilstrukturen und wird eingesetzt, wenn andere Verfahren keine ausreichende Klärung brachten oder wenn komplexere Pathologien (z. B. Stressfrakturen, Tumoren, Nerveneinklemmungen) ausgeschlossen werden müssen.
  • Skelettszintigraphie: Kann bei Verdacht auf Stressfraktur oder entzündliche Knochenerkrankungen eingesetzt werden, ist aber durch MRT zunehmend in den Hintergrund getreten.

Laboruntersuchungen bei Verdacht auf systemische Ursachen

Wenn eine entzündlich-rheumatische Erkrankung vermutet wird, sind Blutuntersuchungen unerlässlich. Typische Parameter umfassen:

  • CRP (C-reaktives Protein) und BSG (Blutsenkungsgeschwindigkeit): Unspezifische Entzündungsmarker
  • Blutbild: Hinweise auf systemische Entzündung oder Anämie
  • Harnsäure: Bei Verdacht auf Gicht
  • HLA-B27: Genetischer Marker, häufig positiv bei Spondylitis ankylosans
  • Rheumafaktor und Anti-CCP-Antikörper: Bei Verdacht auf rheumatoide Arthritis
  • Blutzucker und HbA1c: Bei Verdacht auf diabetische Neuropathie

Die Kombination aus Anamnese, körperlicher Untersuchung, Bildgebung und ggf. Laborwerten erlaubt in den meisten Fällen eine klare Diagnose. Bei schwierigen Fällen kann eine interdisziplinäre Abklärung – zum Beispiel durch einen Orthopäden zusammen mit einem Rheumatologen – hilfreich sein. Für Informationen zu Arthrose im Kniebereich oder anderen arthrotischen Veränderungen des Bewegungsapparates stehen separate Ratgeber zur Verfügung.

Behandlung von Fersenschmerzen: Von konservativ bis operativ

Das Stufenkonzept der Behandlung

Die Behandlung von Fersenschmerzen folgt in der Regel einem Stufenkonzept: Man beginnt mit den schonendsten, risikoärmsten Maßnahmen und steigert die Intensität der Therapie schrittweise, wenn die Beschwerden nicht ausreichend ansprechen. Der überwiegende Teil der Patienten – nach manchen Studien bis zu 90 Prozent – kann mit konservativen Maßnahmen innerhalb von sechs bis zwölf Monaten eine deutliche Besserung oder vollständige Beschwerdefreiheit erreichen. Operative Eingriffe sind die Ausnahme und bleiben hartnäckigen Fällen vorbehalten, bei denen alle anderen Therapien versagt haben.

Konservative Erstmaßnahmen

Die initiale Therapie umfasst zunächst einfache, selbst durchführbare Maßnahmen:

  • Relative Schonung: Vermeidung von Aktivitäten, die den Schmerz verschlimmern (z. B. Laufen auf hartem Untergrund), ohne vollständige Immobilisierung
  • Kühlung: Lokale Kälteanwendungen (Eispack in einem Tuch, 15-20 Minuten mehrmals täglich) können akute Entzündungen und Schmerzen lindern
  • Schuhoptimierung: Gut gepolsterte, supportive Schuhe mit ausreichender Dämpfung und Fersenunterstützung. Barfußlaufen oder dünne Sohlen sind bei aktiver Plantarfasziitis zu vermeiden
  • Fersenpolster und Einlagen: Vorgefertigte oder maßgefertigte orthopädische Einlagen können die Plantarfaszie entlasten und das Fußgewölbe unterstützen. Silikon-Fersenpolster dämpfen den Aufprall
  • Nachtlagerungsschienen (Night Splints): Halten den Fuß in leichter Dorsalflexion über Nacht, sodass die Plantarfaszie gedehnt bleibt und der morgendliche Anlaufschmerz reduziert wird

Dehnung und Physiotherapie: Der Kern der konservativen Therapie

Regelmäßige Dehnungsübungen gelten als eine der wirksamsten konservativen Maßnahmen bei Plantarfasziitis und Achillodynie. Besonders empfehlenswert sind:

  • Plantarfaszien-Stretching: Im Sitzen mit einer Hand die Zehen dorsal flektieren (zurückziehen) und die gespannte Sohle mit der anderen Hand für 20-30 Sekunden dehnen. Idealerweise morgens vor dem Aufstehen durchführen
  • Wadendehnung (Gastrocnemius und Soleus): Wandstützdehnung in zwei Varianten – einmal mit gestrecktem, einmal mit leicht gebeugtem Knie
  • Exzentrische Wadenübungen: Besonders bei Achillodynie evidenzbasiert empfohlen (Alfredson-Protokoll)
  • Faszienrollen (Fußsohlen-Massage): Ausrollen der Fußsohle auf einem Igelball oder einer Flasche

Ergänzend kann eine Physiotherapie (Krankengymnastik) individuell angepasste Übungsprogramme, manuelle Therapie und gerätegestützte Behandlungen umfassen. Viele Patienten profitieren außerdem von einer podologischen Behandlung (medizinische Fußpflege und Ganganalyse).

Medikamentöse Behandlung

Zur Schmerzlinderung können verschiedene Medikamente eingesetzt werden. Dabei gilt: Schmerzmittel lindern Symptome, bekämpfen aber nicht die eigentliche Ursache.

  • NSAR (Nicht-steroidale Antirheumatika): Ibuprofen oder Diclofenac oral können kurzfristig bei akuten Schmerzen helfen, sollten aber nicht dauerhaft eingenommen werden. Bei längerem Einsatz sind Magenprobleme und andere Nebenwirkungen zu beachten.
  • Topische Behandlung: Diclofenac- oder Ibuprofen-haltige Salben und Cremes können lokal angewendet werden und haben weniger systemische Nebenwirkungen als orale Präparate.
  • Kortikosteroid-Injektionen: Lokale Kortisoninfiltrationen an den Schmerzpunkt können bei therapieresistenten Fällen kurzfristig sehr effektiv sein. Wiederholte Injektionen sind jedoch nicht empfohlen, da sie das Gewebe schwächen können (erhöhtes Risiko einer Plantarfaszienruptur).

Weiterführende und spezielle Therapieverfahren

Bei unzureichendem Ansprechen auf die Basistherapie stehen weitere Optionen zur Verfügung:

  • Stoßwellentherapie (ESWT): Nicht-invasive Methode, bei der hochenergetische Schallwellen in das Gewebe eingebracht werden. Gut belegt bei chronischer Plantarfasziitis und Achillodynie. Mehrere Sitzungen sind in der Regel notwendig.
  • Tape-Verbände: Low-Dye-Taping oder Kinesiotaping kann die Plantarfaszie kurzfristig entlasten.
  • PRP (Platelet-Rich Plasma): Eigenblutbehandlung, bei der Wachstumsfaktoren aus dem eigenen Blut in das betroffene Gewebe injiziert werden. Die Evidenz ist noch nicht abschließend geklärt, einige Studien zeigen positive Effekte.
  • Strahlentherapie (Orthovolttherapie): In Deutschland bei hartnäckigen Fällen gelegentlich eingesetzt; niedrig dosierte Bestrahlung kann entzündungshemmend wirken.

Operative Behandlung

Operative Maßnahmen kommen nur in Betracht, wenn konservative Therapien über sechs bis zwölf Monate ohne ausreichenden Erfolg geblieben sind. Bei der Plantarfasziitis kann eine partielle Fasziotomie (teilweise Durchtrennung der Plantarfaszie) offen oder endoskopisch durchgeführt werden. Bei der Haglund-Deformität kann die knöcherne Exostose abgetragen werden. Operative Eingriffe sind grundsätzlich mit Risiken verbunden und sollten sorgfältig abgewogen werden. Ausführlichere Informationen zu Behandlungsmöglichkeiten bei Erkrankungen des Bewegungsapparates finden sich in unserem Behandlungsratgeber.

Zusammenfassung: Das Wichtigste zu Fersenschmerzen auf einen Blick

Fersenschmerzen sind ein weit verbreitetes Beschwerdebild, das Menschen jeden Alters und jeder Aktivitätsstufe betreffen kann. Die häufigste Ursache ist die Plantarfasziitis – eine Reizung der Sehnenplatte an der Fußsohle, die sich besonders durch den typischen Anlaufschmerz morgens äußert. Daneben gibt es zahlreiche weitere Ursachen, darunter Achillodynie, Haglund-Deformität, Bursitis, Stressfrakturen, Nerveneinklemmungen und entzündlich-rheumatische Erkrankungen.

Die genaue Lokalisation des Schmerzes – unter der Ferse, am hinteren Fersenbein oder seitlich – liefert wichtige erste Hinweise auf die mögliche Ursache. Begleitsymptome wie Schwellung, Rötung, Kribbeln, Morgensteifigkeit oder beidseitiges Auftreten sollten besonders ernst genommen werden und sind Anlass für eine zügige ärztliche Abklärung.

Die Diagnose stützt sich auf Anamnese, körperliche Untersuchung sowie bildgebende Verfahren (vor allem Ultraschall und Röntgen). Bei Verdacht auf systemische Erkrankungen ergänzen Laboruntersuchungen das Bild. Die Behandlung erfolgt überwiegend konservativ: Dehnungsübungen, Einlagen, Schuhoptimierung, physiotherapeutische Maßnahmen und kurzfristig Schmerzmittel bilden das Fundament. Stoßwellentherapie und in seltenen Fällen operative Eingriffe ergänzen das Spektrum bei hartnäckigen Verläufen.

Die wichtigsten Kernaussagen zusammengefasst:

  • Fersenschmerzen betreffen schätzungsweise jeden zehnten Menschen irgendwann im Leben
  • Die häufigste Ursache ist die Plantarfasziitis mit typischem Anlaufschmerz
  • Ein Fersensporn allein verursacht nicht zwingend Schmerzen
  • Bei Beschwerden über zwei bis drei Wochen hinaus sollte ein Arzt aufgesucht werden
  • Warnsignale wie Schwellung, Rötung, Fieber oder Taubheitsgefühl erfordern sofortige Abklärung
  • Bis zu 90 Prozent der Fälle lassen sich konservativ erfolgreich behandeln
  • Regelmäßiges Dehnen von Plantarfaszie und Wadenmuskulatur ist eine der wirksamsten Maßnahmen
  • Gut sitzendes, gedämpftes Schuhwerk und orthopädische Einlagen können präventiv und therapeutisch wirken
  • Fersenschmerzen können das gesamte Gangbild beeinflussen und sekundär zu Knieschmerzen oder anderen Problemen am Bewegungsapparat führen

Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung. Bei anhaltenden, starken oder von Warnsymptomen begleiteten Fersenschmerzen sollte immer ein Arzt aufgesucht werden.

Medizinischer Hinweis

Die Informationen auf dieser Seite dienen ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzen keine persönliche Beratung, Untersuchung oder Diagnose durch einen approbierten Arzt oder Orthopäden. Bei gesundheitlichen Beschwerden konsultieren Sie bitte immer einen Facharzt.

📚Wissenschaftliche Quellen

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